Das leere Grab

TerminFreitag, 29. Mai 2026 | 17:00 | OFF Broadway
Kölner Kino Nächte
Produktion Deutschland, Tansania | 2024
Regie Cece Mlay , Agnes Lisa Wegner
FSK-Freigabe FSK ab 12 freigegeben
Deskriptorenbelastende Szenen
Themenschwerpunkt Dekolonialisierung in Afrika
Bis heute lagern zehntausende menschliche Gebeine aus ehemaligen Kolonien in deutschen Museen. Es ist unklar, wie sie identifiziert und zurückgeführt werden können. Der Film folgt tansanischen Familien auf ihrer mühsamen Suche nach ihren Vorfahren. Der Urgroßvater von John Mbano wurde vor über 100 Jahren von der deutschen Kolonialarmee hingerichtet. Der Schädel seines Ahnen wurde damals zu rassistischen „Forschungszwecken“ nach Deutschland gebracht; die Familie wird bis heute von diesem Schmerz heimgesucht. 

Nach einem Kampf mit dem Dickicht deutscher und tansanischer Bürokratie werden die Mbanos schließlich im Auswärtigen Amt in Berlin empfangen, und dann kommt sogar Bundespräsident Steinmeier in ihre Heimatstadt, um sich für das zugefügte Leid zu entschuldigen. Das Grab jedoch ist immer noch leer.
 
 
 

Hadi leo, maelfu kadhaa ya mabaki ya binadamu kutoka makoloni ya zamani yamehifadhiwa katika makumbusho ya Ujerumani. Haijulikani jinsi yanavyoweza kutambuliwa na kurejeshwa. Filamu inafuatilia familia za Watanzania katika utafutaji wao mgumu wa mababu zao. Babu mkubwa wa John Mbano aliuawa na jeshi la kikoloni la Ujerumani zaidi ya miaka 100 iliyopita. Fuvu la babu yake lilileta Ujerumani kwa madhumuni ya "utafiti" wa kibaguzi; familia bado inaumia kwa maumivu haya hadi leo. 

Baada ya kupambana na urasimu mzito wa Ujerumani na Tanzania, familia ya Mbano hatimaye inakaribishwa katika Ofisi ya Mambo ya Nje mjini Berlin, na kisha hata Rais wa Shirikisho Steinmeier anakuja katika mji wao wa nyumbani kuomba msamaha kwa mateso waliyopata. Hata hivyo, kaburi bado liko tupu.

 

To this day, tens of thousands of human remains from former colonies are stored in German museums. It is unclear how they can be identified and repatriated. The film follows Tanzanian families on their arduous search for their ancestors. John Mbano's great-grandfather was executed by the German colonial army over 100 years ago. His ancestor's skull was brought to Germany for racist “research purposes”; the family is still haunted by this pain today.

After battling through the thicket of German and Tanzanian bureaucracy, the Mbano family is finally received at the Foreign Office in Berlin, and then even Federal President Steinmeier comes to their hometown to apologize for the suffering inflicted. However, the grave is still empty.

 

 
 

Statement der Regisseurinnen
Agnes Lisa Wegner & Cece Mlay über ihren Film

Während das Thema Restitution politisch intensiv diskutiert wird und inzwischen auch in der breiten Öffentlichkeit angekommen ist, sind wir beide uns persönlich begegnet, verbunden durch die gemeinsame Geschichte unserer Länder Tansania und Deutschland. Als zwei Filmschaffende, die sich jeweils schon lange mit Themen wie Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Community beschäftigen, haben wir gemeinsam den Pfad der abstrakten politischen Debatte verlassen und einen neuen Weg eingeschlagen – einen in Richtung persönlicher Erfahrungen und erlebter Geschichte.

Unsere Fragen an diese schmerzhafte Vergangenheit drehten sich um das durch den Kolonialismus verursachte Trauma, um die Gewalt und das Leid, die die Menschen erlitten bzw. verursacht haben, und um die Geister dieser nicht verarbeiteten Vergangenheit, die uns bis heute heimsuchen. Und so hat die ganze Geschichte für uns angefangen.

In den Kellern deutscher Museen lagern Tausende von Pappkartons im Dunkeln. Sie enthalten keine Kulturgüter, keine Objekte, sondern menschliche Gebeine. Wer waren diese Menschen? Ohne ihre Namen zu kennen, war uns klar: Sie alle waren Mitglieder einer Familie, einer Community und Gesellschaft. Wir wollten ihnen ihre Menschlichkeit zurückgeben.

Die Suche begann in Tansania, dem größten Land der ehemaligen Kolonie „Deutsch-Ostafrika“, die von den Deutschen auch „Ein Platz an der Sonne“ genannt wurde. Die deutsche Kolonialherrschaft gilt als eine der brutalsten. Sie war aufgebaut auf einem Gewaltsystem aus Zwangsarbeit, sexualisierter Gewalt, der in Deutschland damals schon verbotenen „Prügelstrafe“ und willkürlichen Exekutionen. Communities wurden oft gezwungen, Hinrichtungen mit anzusehen. Männer, Frauen und Kinder verschwanden, sie wurden ihren Familien entrissen und tauchten nie wieder auf.

Hier fand auch einer der größten und verheerendsten Kolonialkriege statt, auf dem Gebiet des damaligen Tanganyika, und erstreckte sich von der Mitte des Landes bis in die südliche Spitze. Der Majimaji-Krieg und seine Folgen forderten etwa 300.000 Tote. Gleichzeitig gilt er als die größte Widerstandsbewegung gegen die Deutschen und hat die Nation vereint. Der Majimaji-Krieg hat größte Bedeutung für die nationale Identität Tansanias. In Deutschland dagegen haben die Allerwenigsten schon einmal etwas von ihm gehört.

Die Restitutions-Diskussion wurde bisher vor allem von Politiker:innen und Wissenschaftler:innen geprägt – von Menschen, die sich professionell damit beschäftigen. In dieser Debatte, die sich um die Rückkehr menschlicher Gebeine dreht, haben immer entscheidende Stimmen gefehlt: die der Communities und vor allem der Familien, die die Abwesenheit ihrer Ahnen nun seit über einem Jahrhundert ertragen. Ihre Stimmen wurden nicht gehört.

Unser Film bricht das Schweigen. Er gibt dem Publikum die Möglichkeit, etwas zu erfahren, was viel zu lange unter den Teppich gekehrt wurde. Und er stellt entscheidende Fragen: Wie lebt eine Familie, eine Community mit einem intergenerationellen Trauma? Wer ist verantwortlich für die tatsächliche Restitution der Ahnen? Welche Rolle spielen Familien und Communities in diesem Prozess? Wer hat die Geduld, die Beharrlichkeit, nach den jeweiligen Vorfahren zu suchen, und wie wird das finanziert? Und worauf alles hinausläuft: Wie wollen wir miteinander leben?

„Das leere Grab“ kann einen Beitrag zur Heilung leisten. Die beiden Familien sowie deutsche und tansanische Aktivist:innen nehmen uns mit auf ihren persönlichen Weg, um endlich Frieden für die Vorfahren zu finden und damit die immer noch andauernde Trauer in den Familien und Communities zu beenden. Sie fordern lethargische Politik und institutionellen Rassismus heraus und beschäftigen sich mit dem intergenerationellen Trauma – in der Hoffnung, die Gebeine der Ahnen nach Hause zu holen.

Unsere Aufgabe als Regisseurinnen war es, diese Geschichte aus der Perspektive zu erzählen, die uns am Wichtigsten ist. Im Bewusstsein, dass das Private politisch ist, haben wir uns von den Perspektiven der Familien durch den Entstehungsprozess dieses Films leiten lassen.

https://vimeo.com/983035539?fl=pl&fe=sh
Länge 97 Min.
Fassung O.m.dt.U.
Format DCP
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Handlungsland Tansania, Deutschland
Stichworte Afrika, Rassismus / Rechtsextremismus, deutsche Geschichte, Dokumentarfilm, Geschichte / Kolonialisierung, Konflikt / Gewalt / Gewaltfreiheit
Verleih Salzgeber u. Co Medien GmbH