Reale Hintergründe eines fiktiven Films
Auch wenn der Film und seine literarische Vorlage Science-Fiction sind, so gibt es erschreckende Anzeichen, dass seine dystopischen Elemente sich rasch auf die Realität hinbewegen.
Zum einen ist da der weltweite Trend eines vielfältigen Drucks auf die Demokratie. In den Großmächten Russland und China herrschen bereits Diktaturen mit perfekten Überwachungsapparaten, die ihren Bürgern kaum freiheitliche Verhaltensspielräume lassen. Die USA bewegen sich 2026 unter Präsident Trump mit großen Schritten ebenfalls auf einen autokratisch regierten Staat zu, in dem Straflosigkeit, Willkür, Bereicherung und Alleinherrschaft zur Normalität werden könnten.
Die andere, die ökologische Katastrophe ist durchaus gekoppelt mit diesem rücksichtslosen Demokratieabbau, der fossile Privilegien, Gier und Macht der herrschenden Eliten durch die Staatsgewalt absichert. In „Memory of Water“ herrscht eine massive Wasserkrise vor. Die nur noch geringen Vorräte werden vom Militär unter Androhung drastischer Strafen bewacht.
Ganz aktuell: der weltweite Wasserbankrott
Am 20. Januar 2026 erklärten die Vereinten Nationen, dass die Erde vor einem Wasserbankrott steht und die UNU (Universität der UNO) veröffentlichte eine alarmierende Studie. Sie stellt die hydrologische Situation in den unterschiedlichen Weltregionen vor: Fast überall leiden Mensch und Natur unter hohem oder extremem Wasserstress. Vielfach ist er irreversibel und auch durch besseres Wassermanagement gar nicht mehr oder kaum rückgängig zu machen.
Zentrale Wasserspeicher sind bereits dauerhaft erschöpft oder zerstört. Dazu zählen:
· Unumkehrbare Verluste von Süßwasserreserven (z. B. verschwundene Gletscher, kollabierende Grundwasserleiter)
· Schrumpfende Seen und Feuchtgebiete, die sich nicht mehr regenerieren können
· Langfristige Übernutzung, Verschmutzung und Degradation von Wasserressourcen
· Strukturelle Schäden, die selbst bei besserem Management nicht vollständig rückgängig zu machen sind
· Sie betreffen vor allem die Erdteile und Regionen: Naher Osten und Nordafrika, Süd- und Zentralasien, Westliches Nordamerika, die Anden und Teile Amazoniens in Südamerika, Australien, große Teile Afrikas südlich der Sahara und die Mittelmeerregion Südeuropas.
Die Gründe und Ursachen sind menschengemacht: Übernutzung, Verschmutzung, Entwaldung sowie der Einfluss des Klimawandels. Die Folgen sind unumkehrbare Verluste der Süßwasserreserven, zerstörte Ökosysteme und eine zunehmende Bedrohung für die Wasserversorgung, Ernährung und stabile wirtschaftliche Verhältnisse von Milliarden Menschen.
Der Begriff soll also bewusst alarmieren: Es geht nicht mehr nur um vorübergehende Engpässe, sondern um dauerhafte Verluste, die die Wasserversorgung, die Landwirtschaft und damit die Ernährung der genannten Regionen ernsthaft und dauerhaft gefährden.
Und die Situation in Deutschland?
Bei uns ist erst ein moderater Wasserstress zu beobachten: Sinkende Grundwasserneubildung in Ostdeutschland bei zunehmender Entnahme durch den Aufbau von Industrien wie Tesla; häufiger stattfindende Niedrigwasserphasen in Flüssen wie Elbe und Rhein; Waldschäden durch Trockenheit vor allem in den Mittelgebirgen; und regionale Engpässe z. B. in Berlin/Brandenburg mit wachsender Abhängigkeit von den jeweils saisonalen Niederschlägen. Gleichzeitig kommen jeden Sommer nicht beherrschbare Starkregen auf die Menschen zu.
Dabei importiert Deutschland für den Lebensmittelkonsum (und zusätzlich für die Industrie) enorme Mengen an sog. „virtuellen Wasser“, d.h. Wasser, das in der Landwirtschaft auch in stark vom Wassermangel bedrohten Ländern für den Anbau von Produkten verbraucht wird, die zu uns exportiert werden. Einige dieser Produkte sind Kaffee und Rindfleisch (Südamerika, pro kg jew. 21.000 bzw.15.000 Liter), Roh-Kakao (Westafrika, pro kg 17.000 – 27.000 Liter) oder Avocados (Naher Osten, Südeuropa, pro Stück je 1.000 – 2.000 Liter). Laut BUND bestehen rund 86 % des Wasserfußabdrucks der Deutschen aus virtuellem Wasser. Durch unseren Konsum heizen wir die Wasserkatastrophe in bedrohten Erdteilen massiv mit an.
Was kann ich tun?
Neben einem reflektierten und verantwortlichen Verbraucher- und Konsumverhalten finden sich auf der Seite www.gemeinschaftswerk-nachhaltigkeit.de ab Ende Februar 2026 Vorschläge für nachhaltige Wasser-Aktivitäten.
Zurück zum Film
Interessanterweise zählen die Produktionsländer des Films „Memory of Water“ zu den Ländern mit der ausgeglichensten Wasserbilanz: Finnland, Schweden und Norwegen haben mit den geringsten Wasserstress weltweit.
(Martin Block)