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Zan Boko

Zan Boko

Der Film schildert den Niedergang eines Dorfes in Schwarzafrika, das einem sich ausbreitenden städtischen Ballungszentrum zum Opfer fällt. Eine ländliche Gemeinschaft, geprägt durch einen eigenständigen Lebensrhythmus und eine besondere Weltanschauung, wird gewaltsam auseinandergerissen und verliert ihre Identität.

Mit dem städtischen Universum, das sich dieser traditionsgebundenen ländlichen Gegend aufdrängt, entstehen neue Valeurs; die sozialen Beziehungen verändern sich, das soziale Verhalten wird durch neue Faktoren bestimmt. Der Film wirft zugleich einen einfühlsamen und kritischen Blick auf diese Gesellschaft im Wandel. (Aus dem Filmkatalog des Filmfestivals von Karthago 1988)

„Bei einer grossen Zahl schwarzer Völker Afrikas werden vor und nach der Geburt eines Kindes mehr oder weniger komplexe Rituale ausgeführt, die die Einführung und Aufnahme dieses neuen Mitglieds in die Gemeinschaft vorbereiten sollen. Im Land der Mossi wird bei einem solchen Ritual die Nachgeburt des Kindes in die Erde vergraben. Diese Handlung festigt das erste Band zwischen dem Neugeborenen und der Nährmutter Erde, die auch Sitz der Vorfahren und der Schutzgeister der Familie und der sozialen Gemeinschaft ist. Das Grab, in welches die Nachgeburt gelegt wird, heisst <Zan Boko>“.

Mit diesen Worten umschreibt Gaston Kaboré, Filmemacher aus dem westafrikanischen Land Burkina Faso (dem frühreren Obervolta), die Bedeutung des Filmtitels seines zweiten Films. In vierjähriger Produktionszeit ist <Zan Boko> fünf Jahre nach <Wênd Kuuni>, dem erfolgreichen ersten Langspielfim des Regisseurs, entstanden. Erzählt wird die Geschichte eines Bauern, der sein Land nicht verlassen will, obwohl es von der wuchernden Hauptstadt <gefressen> wird.

Da ist zuerst das Dorfleben um den Bauern Tinga (Joseph Nikiema). Ein Mann stirbt, ein Kind wird geboren, das Leben nimmt seinen normalen Lauf. Ein harmonisches, aber kein idyllisches Leben. Plötzlich aber ist die Stadt da. Das heisst, zuerst sind es Vorboten, Menschen, die eine fremde Sprache sprechen und das Land vermessen, Menschen, die Zahlen an die Hütten tünchen. <Diese weissen Nummern rauben uns den Schlaf> sagt jemand im Film. Später sind es nicht mehr die Nummern, die den Schlaf rauben, später ist es der Lärm der Eröffnungsparty, die der reiche Nachbar für seine frischerstellte Villa gibt. Die weissen Nummern konnten noch abgekratzt werden, der neue Nachbar aber lässt sich nicht entfernen. Im Gegenteil, dieser will mit Nachdruck dafür sorgen, dass Tinga und seine Familie verschwinden, damit er seinen Swimmingpool auf dem Grundstück des Bauern bauen kann.

In einer Schlüsselszene, die den ganzen Film zusammenfasst, schildert Kaboré den Konflikt zwischen den beiden ungleichen Nachbarn. Das Kind des Reichen spielt mit einem Auto, welches das Kind des Bauern gebastelt hat. <Ich will es Dir abkaufen>, sagt das Kind des Reichen. Das Kind des Bauern will nicht verkaufen. Aber es sagt. <Ich schenk es Dir>. Als Geschenk aber nimmt das Kind des Reichen das Spielauto nicht an. <Ich will es kaufen>, sagt es trotzig. In der Stadtwelt hat es keinen Platz für traditionelle zwischenmenschliche Beziehungen, keinen Platz für Geschenke. Höchstens für solche, die einem bestimmten Zweck dienen, wie das Grundstück, das der Reiche dem Bauern…