Der Auftragskiller Kamel führt ein tristes Leben in seinem Penthouse, auf dessen Terrasse eine große Leuchtreklame eine Straße von Casablanca erhellt. Seine Aufträge erhält er per Internet und nach vollbrachter Tat verbringt er seine Zeit meist mit der Gelegenheitsprostituierten Souad. Sie lebt in einer Trabanten-Siedlung am Stadtrand und träumt von einem besseren Leben in einer der schönen Villen, in denen sie als Putzfrau arbeiten muss. Ihre Freundin Kenza ist Straßenpolizistin und dirigiert den Verkehr an einer viel befahrenen Kreuzung so leidenschaftlich wie ein Dirigent sein Orchester. – Drei Charaktere, deren Lebenswege sich durch ihre Einsamkeit in der Großstadt und ihre Sehnsucht nach dem großen Glück kreuzen.
Regisseur Faouzi Bensaúdi spielt mit der Architektur von Orten und stellt durch seine Bildsprache die Vielschichtigkeit und Gegensätzlichkeit des modernen Casablanca dar. Mit klaren, oft skurrilen Bildern und verfremdenden Schnittfolgen schafft er eine kühne Genremischung und zeigt, dass auch die nordafrikanische Metropole Casablanca – ein halbes Jahrhundert nach Humphrey Bogart – im Cyber-Space-Zeitalter angekommen ist: „Die Entwicklung der Internet-Cafés in Marokko hat mich frappiert. Sie sind wie Pilze aus dem Boden geschossen in einer Welt, die noch so auf Traditionen bedacht war und in der die Technik bis dahin keinen Platz hatte.“
Bensaúdi, der selbst die Rolle des Profikillers spielt, gehört zu der Generation junger Filmemacher, die als „marokkanische Nouvelle Vague“ bezeichnet wird.
Aufführung in Zusammenarbeit mit Filminitiativ Köln e.V.
www.filminitiativ.de
Faouzi Bensaïdi wurde 1967 in Meknès (Marokko) geboren. Er absolvierte ein Schauspielstudium in Rabat und in Paris und inszenierte selber auch verschiedene Bühnenstücke. Ab 1997 begann er mit Filmdrehs und war 1999 als Co-Autor am Script von André Téchinés Film „Loin“ beteiligt. Nach seinem ersten Spielfilm „Mille mois“ (2003) realisierte er 2006 „www – what a wonderful world“, in dem er in der Rolle des Profikillers zu sehen ist

