Zur distanzierten, sachlichen Berichterstattung kommt der Journalist Henderson 1992 nach Sarajevo, in die belagerte bosnische Metropole, in der die Zivilbevölkerung durch serbische Heckenschützen terrorisiert wird. Als Henderson die zehnjährige Emira trifft und er sie aus dem Wahnsinn befreien will, wird aus dem Beobachter ein Handelnder. – Regisseur Michael Winterbottom drehte diesen spannenden und bedrückenden Film an den düsteren Originalschauplätzen des zerstörten Sarajevo.
Ein britischer Fernsehjournalist verspricht während einer Reportage über ein Waisenhaus in Sarajevo einem zehnjährigen Mädchen, es aus der umkämpften Stadt herauszuholen, und schmuggelt es in einem Kinderkonvoi außer Landes. Als die Mutter ihr Kind zurück-fordert, kehrt er zurück ins Kriegsgebiet und kann sie überzeugen, die Adoptionspapiere zu unterschreiben. Die unspektakulär erzählte Geschichte dient der Inszenierung als dramaturgische Klammer, um von einem Krieg zu erzählen, der von außen mit ohnmächtiger Wut, aber auch mit voyeuristischem (Medien-)Blick begleitet wurde. Der beeindruckend montierten Mischung aus (Video-)Dokumentar-aufnahmen und inszenierten Szenen ordnen sich die zurückge-nommenen, aber einprägsam agierenden Schauspieler unter und verstärken so die Realitätsnähe des Films.
Quelle: Lexikon des internationalen Films 2000/2001 (CD-ROM)
(ma 12.11.03)
