Takahashi Aiko ist Professorin für Internationale Politik an der Universität Tokyo in Japan. Nachdem ihr Vater, ein Journalist, Pjöngjang besucht und sich einen ganz eigenen Eindruck vom Land unabhängig vom Hörensagen gemacht hat, besucht seine Tochter Aiko ebenfalls die Demokratische Volksrepublik Korea. Sie erlebt die Realität des Landes, das sich trotz der feindlichen Politik der USA und deren nuklearer Bedrohung ungebremst entwickelt. Aiko spürt, dass Kim Jong Il mit seiner speziellen Songun-Politik, der Politik des Vorrangs des Militärs, Bewunderung in der Welt hervorruft und das koreanische Volk zur stolzesten Nation der Welt macht.
‚The Country I Saw’ zählt zu den neuesten Produktionen im Programm. Die dreiteilige TV-Film-Reihe zählte in Nordkorea zu den absoluten Straßenfegern, nicht zuletzt deshalb, weil die weit ausholende Familiensaga auch ausländische Stimmen und Medienfragmente aufnimmt (so z.B. Bushs berühmtes Zitat von der ‚Achse des Bösen’).
Über die Bauweise von Paradiesen
Filmwoche Nordkorea 19. bis 23. Oktober 2011
‚Etwas fängt sehr schön an und es endet grausig. Das ist sozusagen das Wahrscheinliche in der Welt oder die Erfahrung. Das andere wäre, dass etwas hart anfängt, durch Arbeit geändert wird und anschließend glücklich endet, das wäre die Bauweise von Paradiesen.’
Alexander Kluge, Die Macht der Gefühle, Frankfurt 1984
Über die Demokratische Volksrepublik Korea ist in unserem Land sehr wenig bekannt. Nordkorea schottet sich wie kein anderes Land ab. Besucher werden nahtlos betreut und begleitet und bekommen nur zu sehen, was die lokalen Behörden und die staatliche Tourismusagentur zeigen wollen. So ranken sich um dieses abgeschottete Land viele Gerüchte, Vermutungen, Mutmaßungen.
Trotz der kargen Lebens- und Wirtschaftsbedingungen wird in der Demokratischen Volksrepublik Korea eine Fülle von Filmen hergestellt. Diese richten sich in erster Linie an die dortige einheimische Bevölkerung. Aber sie lassen uns auch in ihren Inhalten erkennen, wie sich Nordkorea darstellen möchte und wie man sich im Land eine ideale Gesellschaft vorstellt. Diese Filme sind bis auf ganz wenige Ausnahmen hierzulande völlig unbekannt, obwohl sich anhand dieser Werke nachspüren lässt, wie man sich in Nordkorea eine wünschenswerte Gesellschaft denkt. Gleichzeitig öffnet sich dem Betrachter der Filme eine aus hiesiger Sicht mehr merkwürdige Schere zwischen dem durch die Filme propagierten Wunschbild und der Realität im Land.
Viele der Filme vergewissern sich der Geschichte des Landes. Ein gängiges Sujet ist es, den Wiederaufbau nach dem Koreakrieg zu zeigen, die Bewältigung von Unterdrückung und Entbehrung für die Errichtung einer modernen, an der koreanischen Juch’e-Ideologie orientierten Gesellschaft. Juch’e steht dabei für den Wunsch der Nordkoreaner, den Aufbau aus eigener Kraft zu bewältigen. Folgt man dem Eingangszitat von Alexander Kluge, so beschäftigen sich diese Filme mit der Bauweise von Paradiesen.
Das Allerweltskino zeigt in der Zeit vom 19. bis zum 23. Oktober 2011 im Filmhaus Kino zwölf Spielfilme aus Nordkorea, die einen tiefen Einblick bieten in das Selbstverständnis des Landes, aber auch in die Wünsche der Bewohner und die Vorstellung, wie Nordkorea im eigenen Land und international wahrgenommen werden möchte.
Joachim Steinigeweg, Allerweltskino Köln


