Eine solche Drehgenehmigung zu bekommen ist wohl ein einmaliger Glücksgriff: Die beiden Filmemacherinnen durften im Teheraner Imam-Khomeini-Scheidungsgericht filmen. Wir erleben, wie Maryan verzweifelt um ihr Kind kämpft, das ihr Mann nach der Scheidung für sich beansprucht; Jahmilah verlangt, dass ihr Partner für seine Gewalttätigkeit einen Denkzettel bekommt. Die sechzehnjährige Ziba will sich von ihrem zwanzig Jahre älteren Mann trennen. Die Frauen versuchen, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen. — Ein intimerer Einblick in das iranische Eherecht, ein berührenderes Porträt iranischer Frauen wäre kaum möglich.
Iranische Frauen, die sich scheiden lassen wollen, haben mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Oftmals sind sie hilflos mit der Tatsache konfrontiert, dass den Männern das Sorgerecht zugesprochen wird, auch wenn sie die Kinder vernachlässigen oder besonders der Erziehung der Töchter keine Aufmerksamkeit schenken. Kim Longinotto und Ziba Mir-Hosseini haben drei Teheraner Gerichte besucht, die sich besonders mit Scheidungen befassen. Maryan will die Kinder nach der Scheidung für sich behalten. Jamilah kämpft darum, dass ihr Ehemann endlich für seine Gewalttätigkeiten bestraft wird, und die sechzehnjährige Ziba will sich von ihrem zwanzig Jahre älteren Mann trennen. Wenn sie gewinnt, wird sie, da sie ihre Jungfräulichkeit verloren hat, eine Ausgestoßene sein. Den Gerichten und der offiziellen Meinung zum Trotz versuchen die Frauen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.
Ein Eindruck von der Wirklichkeit
Wie die Trennung der Frau von ihrem Ehemann im Iran normalerweise vonstatten geht, zeigt auf eindrucksvolle Art Divorce Iranian Style (Scheidung auf Iranisch) von der exiliranischen Ethnologin Ziba Mir-Hosseini und der britischen Filmemacherin Kim Longinotto. Sie begaben sich in den Imam-Khomeini-Gerichtskomplex in Teheran und begleiteten die erniedrigenden Gerichtsverfahren dreier Frauen. Im Unterschied zu den Männern, die sich jederzeit problemlos von ihren Frauen scheiden lassen können, benötigen die Frauen im Iran zuerst die Zustimmung ihrer Ehemänner. Erhalten sie die nicht, müssen sie handfeste Beweise über deren Unfruchtbarkeit, Geisteskrankheiten oder mangelnde finanzielle Zuwendung erbringen. Dieser eindrucksvolle, am Stil des „Direct Cinema“ orientierte Film zeugt von den großen gesellschaftlichen Spannungen in einem islamisch geprägten Staat zwischen den männlich dominierten öffentlichen Leben und der durch die Frauen beherrschten Privatsphäre und davon, dass durch diese Gesetzgebung die Würde aller Beteiligten auf dem Spiel steht. Obwohl der Film mit der Begründung, es sei nicht die richtige Zeit für solch einen Film, nicht für das Programm des iranischen Filmfestivals ausgewählt wurde, unterstreichen zahlreiche positive Kritiken in iranischen Zeitungen und die Tatsache, dass der Film überhaupt entstehen konnte, die vielversprechenden Tendenzen einer kulturellen Reform im Iran unter der Regierung Khatamis. (Film & TV-Kameramann Nr. 7/99)

