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Schamanen im blinden Land

SHAMANS OF THE BLIND COUNTRY
digital restaurierte Fassung, anschl. Gespräch mit dem Filmemacher

Dreimal reiste der Ethnologe Michael Oppitz Ende der 1970er Jahre zu den Magar in Nepal, um ihren Schamanismus zu erforschen. Begleitet von einem kleinem Filmteam entdeckte er die Kamera als Begleiterin der Feldforschung. Nicht nur die magischen Heilverfahren der Schamanen, auch Oppitz‘ Genauigkeit, Rhythmusgefühl und sorgsamer Umgang mit Sprache machten den fast vierstündigen Film zu einem Klassiker.

Wir freuen uns, die restaurierte digitale Fassung in Zusammenarbeit mit a.r.t.e.s., Global South Studies Center, KOLUMBA und der Kunsthochschule für Medien zeigen zu können.

Das Dokumentarfilm-Epos über die magischen Heilkräfte im Himalaya beschreibt die Grundzüge der „großen innerasiatischen Traditionen“ des Schamanentums, wie sie sich in der abgeschiedenen Gesellschaft der Magar im zentralen West-Nepal erhalten haben. Mythologien und Rituale stehen in engem Zusammenhang mit dem alltäglichen Leben und der Kultur des Landes.

Unter den ethnologischen Dokumentarfilmen nimmt dieser eine besondere Stellung ein: kein Film zuvor hat den Schamanismus am Beispiel eines einzigen Volkes so umfassend dargestellt. Auf drei Expeditionen in ein abgelegenes Dorf im Schatten des Dhaulagiri – Massivs in Zentral West-Nepal, zehn Tagesmärsche von der nächsten Flugpiste entfernt, wurde auf 35 Stunden Film festgehalten was selbst in der beschreibenden Literatur nur teilweise bekannt war: die religiösen Praktiken der Schamanen, ihre Mythen, ihre Musik, ihre Heilpraktiken, ihre rituelle Geburt, ihr alltägliches Leben.

Aus diesem Material entstand ein Film von fast vierstündiger Dauer, aufgeteilt in zwei Teile. Der erste Teil richtet sein Augenmerk auf das, was die Schamanen für ihre Gesellschaft tun, auf ihre diagnostischen, heilenden und prognostischen Fähigkeiten. Der zweite Teil wendet sich der Frage zu: wie wird man Schamane, wie wird die Tradition des neolithischen Wissens weitergereicht? Dem 1. Teil ist der Mythos von vier Zeitaltern und der Geburt des Ersten Schamanen Rama Puran Tsan vorangestellt. Der Höhepunkt des zweiten Teils ist die Initiation einer Schamanin, also deren rituelle Geburt: ein Ereignis, das mehrere Tage dauert und umfängliche Vorbereitungen erfordert. Ein magisches Ritual und zugleich ein großes Schauspiel. Der Epilog des zweiten Teils zeigt ein prognostisches Zwiegespräch zwischen einem Raben und einem Schamanan. Nirgendwo im Himalaya ist der Schamanismus von einer derart umfassenden Bedeutung wie bei den Nöärdlichen Magar in Zentral West-Nepal; sein Universum ist komplexer als anderswo und die Tradition scheint völlig ungebrochen. (Misereor Mediendienst Nr. 2/91)