Halbdokumentarischer Spielfilm um Straßenkinder im „Rotlichtbezirk“ von Bombay, die sich im zarten Alter schon mit Drogen, Prostitution und Mord herumschlagen müssen. Dichte, detailreiche sozialkritische Studie mit einer im Kern zutiefst humanen Botschaft. Wichtig als Information und Diskussionsanstoß. Quelle: Lexikon des internationalen Films 2000/2001 (CD-ROM)
Familiäre Gründe zwingen Krishna, sein Heimatdorf zu verlassen, er kommt nach Bombay. Kaum in der Stadt angekommen, steckt er schon mitten drin im Rotlichtbezirk: Polizei, Bordelle, brodelnder Verkehr, Drogenhandel, die Welt der Kinophantasien und überall Kinder, die versuchen, in diesem Hexenkessel zu überleben.
Der kleine Krishna (Shafiq Syed) ist mit seinen zehn Jahren schon ganz auf sich gestellt. Seine Mutter hatte ihn einem Wanderzirkus überlassen, jetzt lebt er in Bombay zusammen mit anderen Straßenkindern, die sich mit kleinen Diebereien durchschlagen. Krishna trägt in einem Bordellviertel Tee aus, so lernt er die Menschen seiner Umgebung kennen. Zu ihnen gehört Baba (Nana Patekar), der launische Drogen-Boß des Viertels, der mit der Prostituierten Rekha (Ane-eta Kanwar) eine kleine Tochter (Hansa Vithal) hat. Chillum (Raghubir Yadav) verkauft Babas Drogen und ist selber süchtig; Krishna bewahrt ihn davor, verzweifelt sein Leben wegzuwerfen. Hilflos muß er dagegen mit ansehen, wie die junge Nepalesin Solassal (Chanda Sharma), die er scheu verehrt, für einen zahlungskräftigen Liebhaber in einem Bordell gefangengehalten wird.
Eines Tages wird Krishna von der Polizei aufgegriffen und in eine der gefürchteten Erziehungsanstalten gesteckt. Als er von dort flieht, ahnt er nicht, was auf ihn zukommt.
Die Inderin Mira Nair, 1957 im Bundesstaat Orissa geboren, drehte in Indien mit westlicher Ausbildung und westlichem Geld Dokumentarfilme, ehe sie mit „Salaam Bombay!“ weltweit Aufsehen erregte. Thematisch wie technisch wagte sie mit ihrem ersten Spielfilm etwas völlig Neuartiges für das indische Kino. Ihre „Helden“ sind Straßenkinder, gespielt von wirklichen Strassenkindern, die professionelle Schauspieler der Erwachsenen-Rollen in einem wochenlangen „Workshop“ anlernten. Noch gewagter für indische Verhältnisse war Mira Nairs Neuerung, alle Großstadtszenen samt Originalton nicht im Studio, sondern an den authentischen Schau-plätzen, auf Straßen und Bahnhöfen, in Mietskasernen und Bordellen zu drehen. Dabei entstand kein melancholischer Sozialreport über das Elend der indischen Straßenkinder, sondern ein vitales, farbenprächtiges Drama, eine „Huldigung an den Überlebenswillen dieser Kinder, an ihren Humor, ihre Pfiffigkeit, Würde und Kraft“. Zu den realistischen Qualitäten von „Salaam Bombay!“ gehört auch die Schilderung der Traumwelten des indischen Kommerzfilms und indi-scher Pop-Musik als Teil des Lebensgefühls noch der Ärmsten in der Metropole der indischen Filmindustrie und der Slums. (EZEF Fernsehtips, Nr.82)
