Öffnet in einem neuen Tab

russische Symphonie, Die

Russkaja Simfonija

Die Apokalypse als Parabel für das Phänomen Perestroika: Wider Erwarten scheint das jüngste Gericht anzubrechen. So zumindest werden die katastrophalen Ereignisse im Land von den Personen im Film eingeschätzt. Doch ganz so einfach ist das alles nicht, denn hinter den Geschehnissen scheint sich ein gewisser Doppelsinn zu verbergen oder eine Art Spiel. Ein schrecklicher Verdacht kommt auf, dass alles, was da passiert, Theater sein könnte, eine Art Inszenierung.

Also übernimmt jede Person teils intuitiv, teils bewusst eine bestimmte Rolle. Iwan Masarin fühlt in sich den Geist großer russischer Intellektueller wie Dostojewski oder Tolstoi ewachen, was ihn auf die wunderbare humanistische Idee bringt: „Rettet die Kinder!“ Es ist jedoch nicht so ganz klar, ob er das wirklich ernst meint oder nur einen Roman über diese Kinder schreiben will, ihr Schicksal als ein Kapitel in seiner Darstellung der Apokalypse, des untergehenden Imperiums. Diese Doppelbödigkeit steigert sich von Szene zu Szene, die Bilder des Romans gehen in die der Wirklichkeit über. Auch Iwan Sergewitsch gerät in den von ihm entfachten Strudel der Geschehnisse und wird unwillkürlich zu einem Beteiligten in diesem ‚teuflischen Vaudeville‘, zu einem Opfer ebenso wie die Kinder, deren Schicksal in dem allgemeinen Wirrwarr einfach in Vergessenheit gerät… (Konstantin Lopuschanskij)

Konstantin Lopuschanskij, geb. 1947 in der Ukraine. Studium der Violine und Kunstgeschichte, kurzes Regiestudium, seit 1980 für Lenfilm tätig. Filme u.a. Pisma mjortwogo tschelowjeka (Briefe eines Toten, 1980), Passetitelj museja (Der Museumsbesucher, 1989).
(nm-01-11-03)