Der Film erzählt die Geschichte der Freundschaft zwischen dem Kurden Berzan und dem Türken Mehmet, der wegen seiner dunklen Hautfarbe für einen Kurden gehalten wird. Ein Zufall führt die beiden jungen Männer in Istanbul zusammen. Beide geraten ins Blickfeld der Polizei. Und das kostet Mehmet den Job und Berzan sein Leben. Deshalb macht sich Mehmet auf den Weg, um seinem Freund das letzte Geleit zu geben. Auf der langen einsamen Reise in den Osten zeigt sich ihm ein Land, das er immer weniger versteht.– Der Film erhielt bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin den Friedensfilmpreis. In der Begründung heißt es, es sei der Regisseurin gelungen, ohne ideologisch Stellung zu nehmen, sich den völkerrechtlichen Konflikten in der Türkei anzunähern und die Zuschauer für die Brisanz der Menschenrechtsverletzungen zu sensibilisieren.
Zwei junge Männer aus entgegengesetzten Regionen der Türkei begegnen sich zufällig in Istanbul. Beide sind mittellos, beide versuchen, in der Großstadt ein Auskommen zu finden. Mehmet – er ist erst kürzlich aus der Westtürkei nach Istanbul gekommen – und Berzan – er stammt aus einem kurdischen Dorf nahe der irakischen Grenze und verkauft als fliegender Händler Musikkassetten – werden Freunde.
Mehmet verliebt sich in Arzu, eine junge Frau, die in einer Wäscherei arbeitet, und die beiden schmieden Pläne für eine gemeinsame Zukunft. Berzan sehnt sich nach seinem Heimatdorf Zorduc zurück, wo seine Verlobte auf ihn wartet.
Eines Abends wird Mehmet während einer Routinerazzia der Polizei zu Unrecht verhaftet. Mehmet ist für einen Türken aus dem Westen ungewöhnlich dunkelhäutig und leicht mit einem Kurden zu verwechseln. In der Haft wird Mehmet schwer mißhandelt. Nach einer Woche wird er entlassen, und als er völlig erschöpft seine Wohnung erreicht, prangt an der Haustür ein großes rotes X. Seine Zimmernachbarn reagieren panisch und zwingen ihn aus der Wohnung, wenig später verliert er seine Arbeit.
Mit Berzans Hilfe findet Mehmet einen neuen Job und eine neue Unterkunft. Die Beziehung zu Arzu wird enger, doch Unrecht und Willkür haben Mehmet gezeichnet. Vor dem Hintergrund seiner alltäglichen Erfahrungen in den Slums von Istanbul zerplatzen seine naiven Illusionen wie Seifenblasen.
Ein Liebesdienst an Berzan, den eine unmenschliche Bürokratie zu verhindern versucht, bringt Mehmet endgültig in Widerspruch zu den staatlichen Autoritäten. Er bricht zu einer Reise in den Osten seines Landes auf – einer Reise in die Sonne.
Eine Veranstaltung von: Alle(r)weltskino e.V., Metropolis-Lichtspieltheater, VSB-Bildungswerk. Mit Untersützung des Kulturamtes der Stadt Köln.
Die Regisseurin Yesim Ustaoglu
Yesim Ustaoglu wird 1960 in Sarikamis im Osten der Türkei geboren. Nach Abschluß ihres Architekturstudiums arbeitet sie als Journalistin für verschiedene Film- und Kunstmagazine und als Leiterin von Video-Workshops.
Filmographie
Kurzfilme:
To Catch A Moment (1984)
Magnafantagna (1987)
Duet (1990)
Hotel (1992)
Spielfilme:
The Trace (IZ), 1994
Auszeichnung als Bester Türkischer Film auf dem Filmfestival in Istanbul, 1994
Journey To The Sun (Reise zur Sonne), 1999
Auszeichnungen: Blauer Engel und Friedensfilmpreis, Berlinale 1999
Yesim Ustaoglu über Reise zur Sonne:
„Zeitungsberichte über niedergebrannte und entvölkerte Orte im Südosten der Türkei haben mich zu der Geschichte, die Reise zur Sonne erzählt, inspiriert. In den letzten Jahren hört man in der Türkei vermehrt von Menschen, die gewaltsam aus ihren Dörfern vertrieben werden. Hunderte von Mehmets, Berzans und Arzus ziehen nach Istanbul und versuchen, irgendwie in der Großstadt zu überleben.
(…)
Ich wollte die Geschichte von drei jungen Leuten erzählen, die aus ganz unterschiedlichen Gegenden der Türkei kommen und eine enge Freundschaft eingehen. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Mehmet. Sie ist meiner eigenen am ähnlichsten: durch eine Reise vom Westen in den Osten der Türkei entsteht ein zunehmendes Bewußtsein von den sozialen Realitäten des Landes.“
Pressestimmen – Die Anderen
„Ein wunderschöner Film zur Problematik der Kurden, der weit über sein politisches Anliegen hinausweist…“ (J. M. Frodon, LE MONDE)
„Ein bewegendes und poetisches Zeugnis einer Freundschaft über ethnische Grenzen hinweg…ein ausgereiftes Werk.“ (D. Elley, VARIETY)
„Mit seinen wunderschönen Bildern von Jacek Petrycki (Kieslowski’s ehemaligem Kameramann) wendet sich der Film an ein großes Publikum – ganz ohne sentimentale Zugeständnisse.“ (F. Gorin, TELERAMA)
