David Leans monumentales Alterswerk – teilweise eine brilliante Verfilmung des Romans von E.M. Forster, der „A Passage to India“ vor sechzig Jahren als bittere Anklage gegen den britischen Kolonialismus schrieb.
Zu Beginn der zwanziger Jahre unternimmt die Engländerin Mrs. Moore eine Reise nach Indien, um ihren Sohn Ronny Heaslop zu besuchen, der in Tschandrapur als Richter arbeitet. Begleitet wird Mrs. Moore von der jungen Adela Quested, die ihre Verlobung mit Ronny überprüfen will und versessen darauf ist, das „wahre Indien“ kennenzulernen. Beide Frauen sind erschrocken und entsetzt über die Arroganz ihrer Landsleute und über den Rassen-Separatismus, den auch Ronny nicht in Frage stellt. Einzig der Lehrer Richard Fielding lehnt jede Art von Diskriminierung ab und unterhält freundschaftliche Beziehungen zu den Indern. Einer von diesen, der junge Arzt Dr. Aziz, lädt Mrs. Moore und Adela Quested zu einem Ausflug zu den Höhlen von Marabar ein. Nach ihrer Rückkehr wird Aziz verhaftet. Adela behauptet, daß Aziz versucht habe sie zu vergewaltigen. Mrs. Moore ist zwar von der Unschuld Azizs überzeugt, reist aber dennoch ab und stirbt während der Überfahrt nach England. Der Prozeß gegen Aziz bestätigt die Briten in ihren Vorurteilen, bis Adela schließlich im Zeugenstand zusammenbricht…. (epd Film 5/85)
Der gewaltige Konflikt zweier Nationen und Kulturkreise, einfühlsam und überzeugend eyponiert, verflacht zu einer konventionellen Darstellung seelischer Nöte in einem puritanischen Gesellschaftssystem. David Lean verschenkt die eigentlich interessante Komponente der Vorlage. Konsequent verharmlost ist dann auch das Ende des Films: Der innerlich zum Revolutionär geandelte Aziz winkt aus seiner bescheiden-idyllischen Privatklinik dem ihn besuchenden Fielding in wiedergewonnener Freundschaft nach. Es ist, als ob zu viel Altermilde einen brisanten Stoff begünstigt hätte. (film-dienst 3/85)
