Das Mexiko von 1914 erlebt die Auflösung der revolutionären Bewegung, die Konfrontation zwischen den Kräften, die eine totale Veränderung beabsichtigen, und jenen, die sich selbst an die Macht bringen wollen. Der Journalist John Reed berichtet über seine Erfahrungen während der mexikanischen Revolution, über den gesellschaftlichen und auch über seinen persönlichen Wandlungsprozeß: einerseits zweifelt er an der Effektivität seines Journalistenberufs, andererseits kann er nicht ein für allemal anstelle der Kamera das Gewehr ergreifen. Er befindet sich zwischen zwei Polen, in einem Prozeß innerer und äußerer Gärung.
Der Bericht, den John Reed über seine Erfahrungen während eines bestimmten Abschnitts der Mexikanischen Revolution geschrieben hat, geht im Film über in eine Betrachtung des gesellschaftlichen und persönlichen Wandlungsprozesses. Man erlebt im Mexiko von 1914 die Auflösung der revolutionären Bewegung, die Konfrontation zwischen den Kräften, die eine totale Veränderung beabsichtigen und denen, die nur eine Verschiebung im Machtgefüge wollen, um so sich selbst an die Macht zu bringen.
Aber es gibt auch einen Widerspruch zwischen der ‚reinen‘ revolutionären Bewegung und dem wirklichen Mexiko in Aufruhr.
Reed, die Hauptfigur, macht diesen Konflikt selbst durch: einerseits zweifelt er an der Effektivität seines Journalistenberufs, andererseits kann er nicht ein für allemal anstelle der Kamera das Gewehr ergreifen. Er befindet sich zwischen zwei Polen, in einer Zone des Halbschattens, in einem Prozeß innerer und äußerer Gärung – wie der Film selbst.
„Die Idee, den Bericht von John Reed zu verfilmen, ist sehr alt, aber schließlich konnte nur ein einziger Teil daraus gedreht werden: der Marsch der Truppen von Pancho Villa auf Gomez Palacio, eine Stadt im Staat Chihuahua im Norden Mexikos.
Völlig außerhalb des traditionellen und offiziellen Systems, ganz in natürlichen Kulissen entstanden, ist Reed eine Arbeit, die von unserem Filmteam drei Monate lang unter mehr als beschränkten Produktionsbedingungen geleistet worden und für alle eine außerordentliche Erfahrung gewesen ist.
Zuerst wollte ich den journalistischen Aspekt zeigen, den man allzu sehr als ein glorioses Epos zu betrachten pflegt; ich wollte der Folklore entgehen, den Antagonismus zwischen den politischen Führern und den Militärs enthüllen und schließlich die Krise und den Bewußtseinsprozeß des Journalisten hervortreten lassen, dieses Zeugen einer Realität, die ihn überholt, seine Haltung als Beobachter und dann als engagierter Teilnehmer am Kampf.“
Paul Leduc
„‚Physiognomisch‘ gleicht Eraclio Zepeda dem historischen Villa nicht, aber wenn man ihn sprechen und gestikulieren gesehen hat, beginnt man an den echten Dokumenten von Villa zu zweifeln. Und das gleiche geschieht mit den anderen Charaktergestalten des Films. Weil Leduc den Darstellern keinen vorfabrizierten Charakter aufgezwungen hat, konnten sie ihn gemäß ihren Möglichkeiten interpretieren. Er vertraute ihrer Intelligenz und Sensibilität. Die präzise Rekonstruktion ist also ein Bereich der Imagination. (…)
Und das heißt modernes Kino: Fiktion dokumentarisch filmen und die Wahrheit wie die Poesie der Fiktion.“
Jos‚ de la Colina in ‚Excelsior‘, Mexiko 1972
Paul Leduc wurde 1942 in Mexiko geboren. Studium der Architektur und der Theater-Regie an der Nationalen Universität von Mexiko. Filmkritiker bei Tages- und Wochenzeitungen. 1961 – 64 Filmausbildung in Paris am Musée de l’Homme, bei Jean Rouch, beim französischen Fernsehen und an der Filmhochschule. In Mexiko Arbeit als Regieassistent und Tontechniker, dann als Regisseur.
