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OMPA

OMPA

Der Kasache Talalai und der Russe Daur fliegen mit ihrer kleinen Propellermaschine als Chartergesellschaft über die Berge und Wüsten Kasachstans und der Nachbarstaaten. Mal helfen sie dabei, eine Braut zu entführen, wobei sie bei der Feier das eingenommene Geld als Hochzeitsgeschenk gleich wieder los werden; mal transportieren sie Geschäftsleute, von denen sie beim Kartenspiel um ihre letzten Geldreserven gebracht werden. Und einmal entpuppen sich die Fluggäste sogar als Drogenschmuggler, die das Flugzeug stehlen wollen. Doch Talalai und Daur, zwei sympathische Nonkonformisten, die von einem besseren Leben träumen, lassen sich nicht unterkriegen. Ihre Freundschaft überdauert auch die schlimmsten Rückschläge und Streitigkeiten.

Als mit der Auflösung der Sowjetunion zahlreiche Republiken in die Unabhängigkeit entlassen wurden, war die Befriedigung und Freude in jenen Ländern groß. Endlich war das „imperiale Joch“, die zentralistische Macht abgeschüttelt, die den einzelnen Völkern nationale Eigenständigkeit und Identität nur in der Kunst, bei folkloristischen Traditionen und in der Küche zugestanden hatte – erstere stark eingeschränkt durch politische Vorgaben und das ästhetische Diktat des „sozialistischen Realismus“.

Alle Wege führten über Moskau

Im Bereich des Kinos und der Filmkunst funktionierte das sozialistische System so: Die nationalen Filmstudios in den Sowjetrepubliken verfügten über feste Etatmittel und konnten pro Jahr eine bestimmte Menge von Spiel- und Dokumentarfilmen produzieren. Bei der folgenden sowjetischen und internationalen Kinoauswertung aber führten alle Wege über Moskau, das heißt über die zentralen bürokratischen Filminstitutionen Goskino und Sowexport. Hier wurde entschieden, welche Filme den Sowjetbürgern aus politischen oder ästhetischen Gründen vorgeführt oder vorenthalten werden und welche Filme die Sowjetunion auf den internationalen Filmfestivals repräsentieren sollten.

Talai und Daur
Die Früchte der Widersprüche
Im Lauf der Jahre führte dieses System scheinbarer künstlerischer Souveränität zwischen relativer Freizügigkeit und absoluter Kontrolle immer wieder zu Widersprüchen. Zum Glück. Denn so konnten westliche „Festival-Scouts“ in den Republiken mitunter aufregende Entdeckungen machen. Und auf den internationalen Festivals wurden manchmal sowjetische (wie auch osteuropäische) Spielfilme ausgezeichnet, die in der Sowjetunion aus der Produktion direkt in Regale und Panzerschränke gewandert waren. Die prominentesten Beispiele sind die antistalinistische Satire „Die Reue“ aus Georgien und Elem Klimows ökologisch-kritischer Spielfilm „Abschied von Matjora“, der in Berlin mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde. Beide Filme gelangten erst zur Zeit von Gorbatschows Glasnost-Politik an die Öffentlichkeit.

Vom Studio zum Möbellager
So gaben die Russen den Genossen in den Republiken das Signal, selbst mit der Aufarbeitung der gemeinsamen Vergangenheit zu beginnen und endlich ohne Angst tabuisierte Stoffe und Themen aufzugreifen. Doch der allgemeine kritische Elan der Filmkünstler dort wurde ebenso wie das neue nationale Selbstbewusstsein und die Freude über die staatliche Souveränität bald durch eine andere Erfahrung verdrängt. Die gerade erlangte künstlerische und politische Freiheit war nämlich durch die ungebremste Kommerzialisierung aller gesellschaftlichen Bereiche praktisch wieder aufgehoben worden. Abgeschnitten von den Finanzquellen der sowjetischen Zentralmacht hatten sich die nationalen Filmstudios über Nacht in privatwirtschaftliche Unternehmen verwandeln müssen, die nun unter den Bedingungen des weltumspannenden Kapitalismus‘ ums Überleben kämpften. Die marktwirtschaftlich unrentablen, teilweise bürokratisch aufgeblasenen ehemaligen sozialistischen Großbetriebe mussten enorme personelle und organisatorische Einschnitte vornehmen: Oft musste ein Großteil des Personals entlassen werden; Studiohallen wurden verkauft und verwandelten sich in Supermärkte oder Möbelgeschäfte.
Gleichzeitig übernahm Hollywood die Hoheit über die Kinosäle und das Videogeschäft. Die ehemaligen Sowjetbürger waren froh, endlich die ästhetische und politische Bevormundung los zu sein und wandten sich von der Filmkunst ihrer eigenen Länder oder der ehemaligen „Bruderstaaten“ radikal ab. Statt Aufarbeitung der eigenen Geschichte brachte das im Fernsehen gefeierte „Revival“ des klassischen sowjetischen Kinos eher eine Verklärung der Vergangenheit. Im Alltag aber ging es vor allem um das Einarbeiten in die Spielregeln des westlichen Kapitalismus‘; statt mit alten politischen Tabus brachen sie beim Film lieber mit den Tabus in der Erotik-, Konsum- und Gewaltdarstellung aus Sowjetzeiten. Außer dem massiven Publikumsverlust musste die Filmindustrie in den meisten Ländern mit einem allgemeinen wirtschaftlichen Niedergang fertig werden.

Das „Trotzalledem-Kino“
Es grenzt schon an ein Wunder, dass trotz dieser Bedingungen im vergangenen Jahrzehnt auf dem Gebiet des ehemaligen „Imperiums“ – abseits von den (meist misslungenen) Versuchen, westliches Kommerzkino zu kopieren – so viele eigenständige, künstlerisch anspruchsvolle Spielfilme entstanden sind, bis hin zu einem Kino-Phänomen wie der „neuen kasachischen Welle“.

Ompa
Der Titel des Spielfilms beruht auf dem Namen eines alten kasachischen Kinderspiels mit Tierknochen, mit dem die beiden Flieger ihr Schicksal zu erwür-feln versuchen. „Ompa“ ist eine grenzübergreifende kasachische Komödie und gleichzeitig eine unterhaltsame und aufschlussreiche Satire über die gesellschaftlichen Umbrüche in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Gezeigt werden Gemeinschaften, die im Spannungsfeld zwischen den Traditionen und den Einflüssen des westlichen Kapitalismus fast

Biografie Satybaldy Narymbetow
Geboren 1946, Regisseur und Autor von „Ompa“, absolvierte 1969 ein Studium als Drehbuchautor an der Moskauer Filmschule WGIK und besuchte dann die „Höheren Kurse für Filmregie“ in Moskau (Abschluss 1984). Seitdem arbeitet er als Drehbuchautor und Regisseur, zuletzt bei dem Film „Schisneopisanije junogo akkordeonista“ (Biografie eines jungen Akkordeonspielers; 1994).

Von Satybaldi Narymbetov zeigt das Alle(r)weltskino am Mittwoch, dem 14. November 2000 um 20.00 Uhr den Film „Das Lied vom jungen Akkordeonspieler“ (ZHIZNEOPISANIYE MOLODOGO AKORDEONISTA).