Juni 2007. Ostseebad Heiligendamm. Der größte Polizeieinsatz in der Geschichte der Bundesrepublik. Über 17.000 PolizistInnen, selbst die Bundeswehr, „sichern“ das rituelle Gipfeltreffen der „mächtigsten Frau und Männer der Welt“, den sogenannten „Weltwirtschaftsgipfel“. Trotzdem gelingt es circa 12.000 GlobalisierungskritikerInnen immer wieder, die wichtigsten Zufahrtsstraßen zum hermetisch mit Zaun und Stacheldraht abgeriegelten Tagungsort zu blockieren. Wichtiger noch, sie können ihre Kritik am gegenwärtigen Weltwirtschaftssystem und Ihre Alternativen öffentlich machen, obwohl zunächst das „Chaos von Rostock“, Politikerrufe nach Gummigeschossen und GSG 9 gegen die „Steinewerfer von Rostock“ die Schlagzeilen beherrschen.
Der Dokumentarfilm „neueWUT III – Das war der Gipfel!“ kann und will die Frage nach der Rolle staatlicher Undercover-Agenten bei den Protesten in Heiligendamm nicht beantworten. Auch nicht die vielen Fragen nach Verhalten und Rolle des sogenannten „schwarzen Blocks“. Aber er will die Bedeutung dieser Fragen aufzeigen. Vor allem will der Film eine Chronik der laufenden Ereignisse liefern, das Geschehen während „der Tage von Rostock und Heiligendamm“ nachzeichnen. Dazu gehören das Vorgehen der Sicherheitskräfte und der DemonstrantInnen ebenso wie die vielen Aktionen und Veranstaltungen, in denen die Auswirkungen von Globalisierung und weltweiter Privatisierung auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen im Mittelpunkt stehen.
„neueWUT III – Das war der Gipfel!“ setzt die mit „neueWUT“ (2005) und „Kick it like Frankreich – Der Aufstand der Studenten“ (2006) begonnene Langzeitbeobachtung über soziale Proteste in Deutschland fort.
Was ist die globale?
Von Venezuela bis Südafrika, von China bis Marokko zeigt sich eine widersprüchliche Wirklichkeit: Ausbeutung und Unterdrückung, Krieg und Konzernherrschaft, Kontrolle und Prekarisierung. Aber auch: Alternativen, Engagement und Widerstand, Hoffnung und Utopie. – Um dieser Wirklichkeit in ihrer Komplexität ein öffentliches Forum zu bieten, schloss sich im Frühjahr 2003 eine Gruppe politisch engagierter BerlinerInnen zusammen und rief die „globale – das globalisierungskritische Filmfestival“ ins Leben. Seit fünf Jahren findet das Festival jährlich in Berlin statt und hat sich mittlerweile zu einer Plattform des politisch motivierten Films und zu einem Treffpunkt für unabhängige Filmemacher und Medienaktivisten entwickelt.
Für die globale stellt der Dokumentarfilm das zentrale Element dar, um Realitäten abzubilden und um durch ihn politischen und sozialen Themen eine kritische Öffentlichkeit zu verschaffen. Das Festival soll eine Bühne für Menschen sein, die aufgrund medialer Ausgrenzung selten öffentlich zu Wort kommen.
Die globale will mehr als ein Filmfestival sein. Sie versteht sich als Teil der weltweiten sozialen Bewegungen und ist lokal und international mit diversen politischen Gruppen vernetzt. Zu ausgewählten Themen werden FilmemacherInnen und AktivistInnen zum Gespräch eingeladen. Gesellschaftlich engagierten Gruppen bietet das Festival eine Schnittstelle zur Öffentlichkeit an.
Auch das Allerweltskino als Initiative der Eine-Welt-Bildungs- und Kulturarbeit sieht Kino als Raum kritischer Öffentlichkeit und Filme als ein Medium, das eine wichtige Rolle im Prozess der kollektiven Auseinandersetzung mit Themen wie Arbeits- und Lebensbedingungen, Migration und Rassismus, Ausbeutung von Umwelt und Ressourcen einnehmen kann.
Aus diesem Grund freuen wir uns als Nachspieler der globale07 in Köln, ausgewählte Dokumentarfilme präsentieren zu können, die wegen der Themenwahl und/oder Produktionsbedingungen kaum eine Chance haben, ins Kino zu kommen.
Auch in Köln soll die globale07 ein Diskussionsforum und eine Einladung zu gemeinsamer Reflexion sein. Aus diesem Grund bieten wir lokalen Initiativen, Gruppen und Organisationen, die zu den in den Filmen behandelten Themen arbeiten, die Möglichkeit, sich auf der globale zu präsentieren … – Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und auf den im Kinosaal stattfindenden regen Austausch von Erfahrungen und Gedanken.
Kontakt: Karin de Miguel Wessendorf
E-Mail: karin.de-miguel@allerweltskino.de




