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My Girl

Fan chan

Witzig-fantasievolle Komödie um eine unerkannte erste Liebe und die Nöte eines Jungen, der immer nur mit Mädchen spielen muss. Sechs junge Regisseure haben in ihren Kindheitserinnerungen gekramt und einen witzigen Film über eine Kinderbande in den 70er Jahren in Thailand gemacht: Der zehnjährige Jeab und seine beste Freundin aus der Nachbarschaft, Noinah, sind immer zusammen. Doch Jeab würde gern mit den anderen Jungs aus seinem Schulbus Fußball spielen, doch die wohnen auf der anderen Seite der gefährlichen Hauptstraße, die mit dem Fahrrad nicht zu überqueren ist. So muss er sich mit Noinah und ihren Freundinnen bei Mädchenspielen vergnügen. Klar, dass ihn die Jungs im Schulbus schrecklich hänseln. Jeabs Wunsch, von der coolen Boy-Gang akzeptiert zu werden, wird immer stärker, und schließlich lässt er Noinah einfach im Stich …
Die Welt der Mädchen- und Jungenspiele, eine bittersüße Liebesgeschichte, freche Lausbubenstreiche, liebenswerte Kids mit verrückten Spleens und ein sehr gefühlvoller Blick von Erwachsenen auf die Kindheit haben den Film in Thailand zum Kassenknüller und auf der Berlinale zum Überraschungshit gemacht.

My Girl

Eine Straße bestimmt das Leben des kleinen Jaeb. Der Verkehr darauf (sowie die infolge eines dort beobachteten Unfalls entstandene Angst davor) begrenzt das Territorium, in dem er sich entfalten kann, begrenzt gleichermaßen die Gebiete, in denen unterschiedliche Grundschüler-Cliquen das Sagen haben und determiniert somit auch den Freundeskreis der hier aufwachsenden Kinder. Im Falle von Jaeb sind das ein paar Mädchen aus der Nachbarschaft, vor allem die süße Noi Nah, die nur zwei Häuser weiter wohnt und die kaum älter ist als er selbst. Während beider Mütter sich recht nahe stehen, sind die Väter Konkurrenten auf einem schmalen Feld: Beide betreiben Friseursalons. Zwischen beiden eingekeilt ein kleiner Lebensmittelladen, dessen Betreiber infolge der eitlen Anwandlungen der beiden Barbiere für einen simplen Haarschnitt durch die ganze Stadt fahren muss. Konkurrenz auch im Schulbus! Wie man das selber kennt, sitzen ganz hinten, in der letzten Reihe, die Jungs. Und zwar die lauten und frechen. Dass Jaeb bei seinen Freundinnen hockt, lässt ihn nicht gerade hoch in der Gunst der Buben stehen. Dies ändert sich jedoch, als er sie eines Tages aus einem Fußballspiel, in dem sie zunächst zahlenmäßig unterlegen waren, vor der Niederlage bewahrt. Männerrituale und -initiationen, wenn auch noch naiv kindliche, folgen, wie auch der Gewissenskonflikt: Um sich endlich als einer der ihren zu beweisen, muss Jaeb das geliebte Hüpfseil der Mädchen vor deren Augen zerschneiden. Noi Nah ist entsetzt und enttäuscht, Jaeb vor sich selbst erschrocken. Als Noi Nahs Familie nur wenige Tage später wegzieht, versucht er, seinen Fehler wieder gutzumachen. Rahmend erzählt wird diese nostalgische Geschichte von Mitte der 80er durch die Erinnerungen des nunmehr erwachsenen Jaeb, der im Hier und Jetzt, nach Jahren der Distanz zu Noi Nah, auf deren Hochzeit eingeladen wurde und wieder in sein Heimatviertel zurückkehrt. Insgesamt 6 Regisseure und Drehbuchautoren, alle im gleichen Alter, haben in diesem in Thailand sehr erfolgreichen Film ihre Erinnerungen und nostalgischen Gefühle eingebracht und entsprechend quillt Fan Chan auch von größeren und kleineren Geschichtchen über. Oft ist das sehr heiter und angemessen erzählt, woran auch die Kinderdarsteller selbst einen großen Teil mittragen: Jeder von ihnen ein Charakterkopf und -typ, alle auf ihre eigene Art und Weise mehr oder weniger sympathisch und vor allem spürbar mit Leib und Seele dabei. Das macht dann schon Laune, weil man auch selbst sich zu erinnern beginnt: Wen kannte (und liebte) man nicht selbst damals und wo sind diese Nachbarskinder jetzt? Und dann das billige Eis, das man sich jeden Samstag, wenn es Taschengeld gab, beim Bäcker holte. Und so weiter und so fort. Allerdings wechseln sich diese netten und beschaulichen Momente auch mit solchen ab, in denen so recht kein Vorwärtskommen zu spüren ist. Dies mag aber, zugegeben, vielleicht auch einfach an der, trotz überraschend vieler Parallelen, noch immer recht unterschiedlichen Kindheit im Deutschland der 80er und im Thailand der 80er liegen. Auch ist man in seiner Wahl allegorischer Bilder nicht immer ganz sicher. Zwei Vögelchen auf dem Fensterbrett symbolisieren Zweisamkeit, ist Noi Nah dann weggezogen, sitzt da nur noch eines. Immer wieder sieht man in einer Totalen den Schulbus horizontal durchs Bild fahren, im Vordergrund ein frühlingshaft blühender Baum, wenn der Bus dann vom Umzugswagen ersetzt wird, sind die Blüten weitgehend abgefallen: Man ist älter geworden (oder wird es zumindest gerade im Moment). Und die erwachsene Noi Nah bekommen wir gar nicht zu Gesicht: Als sie sich zu Jaeb umdreht, strahlt uns die kleine Noi Nah im Brautschleier an. Momente, in denen der Film zitternd auf der Kippe steht: Dass das im wesentlichen so billiger wie naheliegender Kitsch ist, liegt natürlich auf der Hand. Doch ist es nicht auch naheliegend, einen Film, der konsequent aus der Perspektive eines kleinen Jungen erzählt wird, bzw. natürlich nostalgisch verklärte Erinnerungen illustriert, mit entsprechend „leichten“ Bildern zu versehen? Es sich wohl auch in diesem Falle Kritik und Publikum in der Beantwortung dieser Frage scheiden. Dessen ungeachtet kann man aber wohl festhalten: Ein netter, beschaulicher Film.