Wie ein Seismograph zeichnet der Filmemacher Alexander Sokurow die Veränderungen der heutigen russischen Gesellschaft auf. In seinen düsteren, unwirklichen Visionen steht die Zeit still, endgültig irreversibel erscheinen ihm die zivilisatorischen Schäden. In seinem Film „Mutter und Sohn” verzichtet Sokurow fast völlig auf eine erzählbare Handlung und nähert sich seinem Ideal der klassischen Elegie – dem Totenlied des Altertums.
Der russische Filmemacher Alexander Sokurow widmet sich einmal mehr seinem zentralen Thema „Sterben“ und nähert sich dem poetischen Ideal der klassischen Elegie ein weiteres Stück an. Außer dem Vorhandensein zweier Menschen und dem
Umstand des Todes läßt sich die Handlung nicht konkret festmachen. Sepiafarbene Tableaus in unwirklich verkanteten Perspektiven, stark verlangsamte, zum Stillstand neigende Kamera- und Figurenbewegungen sowie eine außergewöhnlich subtil abgemischte Dolby-Tonspur tragen dazu bei, dass der Film
nicht nur thematisch zu einem rigoros herausfordernden Kunstwerk wird, das sich aktuellen Trends radikal verweigert. Seine Gültigkeit wird sich weit darüber hinaus erweisen.
Quelle: Lexikon des internationalen Films 2000/2001 (CD-ROM)
