Das Portrait einer alten Frau in Afrika, die ihren deutschen Vater nie kennenlernte, fordert auf, sich mit den Folgen des deutschen Kolonialismus auseinanderzusetzen.
„Ein befremdlicher Fremder ist unter mein Dach getreten. Ich habe mich abgeplagt, um dem Fremden zu gefallen. Ich habe ihm angeboten meine Frau, mein Feuer und mein Bett. Er hat mir meine Gastfreundschaft schlecht vergolten. Zum Dank für alles hat er mir den Krieg erkärt.“ Mit diesen Worten erinnert der afrikanische Dichter heute an die kurze, aber folgenschwere Zeit der deutschen Herrschaft in Kamerun von 1902 – 1915.
In der Person der Mulattin Else verdichtet sich dieser Ausschnitt gemeinsamer afrikanisch-deutscher Geschichte zu einer persönlichen wie politischen Tragödie: Else wurde 1910 als Tochter des kaiserlichen Offiziers Jesco von Puttkammer und einer jungen Afrikanerin im Palast des deutschen Gouverneurs von Kamerun geboren; der Offizier hatte von König Njoya eine Tochter als „Gastgeschenk“ gefordert und das junge Mädchen aus dessen Gästehaus erhalten. 1914 ging von Puttkammer nach Deutschland zurück, Mutter und Tochter wurden von Njoya aufgenommen und lebten ab 1922 in der französischen Mission. Else lebt mit einer zwiespältigen Identität:
Sie glaubt, Tochter des Gouverneurs gleichen Namens wie ihr Vater zu sein; er habe seine junge Frau geliebt und zur Feier der Geburt der Tochter ein Klavier gekauft. Allerdings versteht sie nicht, warum er Mutter und Tochter nicht mit nach Deutschland genommen hat, und leidet darunter, daß sie nicht einmal ein Grab hat, an dem sie ihre Liebe und Verehrung für den Vater ausdrücken kann.
