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Monsoon Wedding

Monsoon Wedding

Die Regisseurin Mira Nair (“Mississippi Marsala”) hat für diesen Film ein riesiges Schauspielerensemble vor der Kamera versammelt: Es geht um die Vorbereitungen zu einer Hochzeit. Aber zu einem solchen Fest strömen die Verwandten aus ganz Indien herbei, und wie bei allen Familien können die alten Zu- und Abneigungen aufs neue gepflegt werden. “So wie der Monsun-Regen bricht auch die Familie über uns herein!”

Heiterer Familienfilm mit ernsten Untertönen aus der “Upper Class” Indiens, in dem es um den Konflikt zwischen Tradition und Moderne geht. Geschickt werden die vielen Figuren zum Leben erweckt und die vielfältigen Episoden aneinander geknüpft und mit Musik und Tanz angereichert.

Eine indische Familie der Upper-Class plant die Hochzeit ihrer Tochter Aditi (Vasundhara Das). Dafür haben die Eltern nicht nur den Hochzeitsplaner Dubey (Vijay Raaz) engagiert, sondern auch schon den passenden Ehemann ausgesucht. Aus allen Teilen der Welt reist die Großfamilie zur Riesenfeier an. Mobiltelefone und Notebooks gehören ebenso zum Alltag wie traditionelle Kleidung und indische Musik. Nach altem Rollenverständnis ist Brautvater Lalit (Naseeruddin Shah ) für das Gelingen des Festes verantwortlich. Nervös versucht er, alles zu organisieren und beschimpft dabei abwechselnd seinen ungeschickten Neffen, seinen balletttanzenden Sohn und den verträumten Dubey. Letzterer verzehrt sich nach dem schüchternen Hausmädchen Alice und isst aus Sehnsucht ständig sonnengelbe Dotterblumen – die indische Hochzeitsblume. Die Braut Aditi wiederum hat eine Affäre mit ihrem verheirateten Chef, liest die “Cosmopolitan” und verspricht sich von der Vermählung vor allem eins: mit ihrem Ehemann in die USA zu ziehen. Situationskomik und Romantik gipfeln in einer funkensprühenden Feier, der auch der einsetzende Monsunregen nichts anhaben kann. Die Regisseurin Mira Nair zeigt das heutige New Delhi, indem sich alte Traditionen und westlicher Lebensstil vermischen. “Monsoon Wedding” ist ein sinnliches Farbenfest, bei dem verschiedene soziale Schichten, Generationen und Kulturen aufeinandertreffen. Eine Einladung für den Zuschauer zu einer großen, bunten Party.
Über dem Punjab ziehen dunklen Wolken auf – die ersten Anzeichen für den sich nähernden Monsun. Das Fünfstromland, begrenzt von den Zuflüssen des Indus und dem Himalaya-Vorland, ist die Heimat der Regisseurin Mira Nair. Es ist eines der ältesten Kultur-landschaften Indiens. Jahrhunderte lang wurde das Land von Fremden belagert, bis 1947 Gandhis Protestbewegung Indien die Freiheit brachte. Gleichzeitig führte die Teilung dieses riesigen Gebietes, in ein weitgehend von Muslimen (Pakistan) und ein hauptsächlich von Hindus und Sikhs bewohntes Land (Indien), in eine Katastrophe, von der es sich bis heute nicht erholt hat.

Neu-Delhi, der Ort der Handlung von „Monsoon Wedding“, ist dieser Ort der ständigen Grenzwanderung zwischen Tradition und Moderne: Religiöses Zentrum der Sikhs und Sommerpalast des Maharajas Ranjit Singh einerseits; wirtschaftlich florierende Hauptstadt mit elf Millionen Einwohnern, von denen viele den neuindischen Dialekt mit stark westlicher Ausprägung des Hindi sprechen, andererseits. In dieses Kaleidoskop der indischen Gegenwart und Gegensätzlichkeiten begibt sich Mira Nair mit ihrer Geschichte um Familie, Fortschritt und Tradition, Liebe und Verlust. Obendrein wagt sie den Schritt in das zentralste aller indischen Themen, egal ob im wahren Leben oder in einem Bollywood-Film – Shaadi, die Hochzeit. „Im Feiern“, sagt Nair, „kennen wir keine Grenzen. Es wird getanzt, gesungen, gelacht und ordentlich auf die Pauke gehauen – manchmal gleich mehrere Tage lang. Die Kosten für so eine Hochzeit sind enorm hoch und bringen die Familien oft an den Rand des Ruins. Aber für eine ordentliche Hochzeitszeremonie ist man in Indien – zumindest im Film – zum Sterben bereit.“
Aber dies wäre nicht die Geschichte einer indischen Autorin und das Werk einer indischen Regisseurin, wenn die verschiedenen Generationen nicht mit ein wenig Krisenmanagement doch noch zu ihrem Fest kämen. Während der Film auf sein furioses Ende zuläuft, gibt sich der Zuschauer der farbenprächtigen und explosiven Mischung aus Saris und Gucci, Handy und Henna, rauem Dogma -und subtilem Robert Altman-Stil hin. Es ist ein wahres Bad der Sinne, nicht nur im Hinblick auf den reizvollen Soundtrack, in das uns Mira Nair entführt. Doch sie wäre nicht die oscarprämierte Filmemacherin von Werken wie „Salaam Bombay!“ (Low-Budget-Doku-Variante von „Monsoon Wedding“) oder „Kama Sutra“, würde der Film nicht auch noch einige kritische Einblicke in das Indien von Heute eröffnen: Präzise beobachtet sie das Streben nach Modernität im Gegensatz zur Pflege uralter Traditionen und zeigt mutig zwischenmenschliche Tabus wie Kindesmissbrauch oder die Rolle der Frau in einer arrangierten Ehe auf.

Das „Monsoon Wedding“ ebenso tragisch-rührend wie ungestüm-komisch ist, verdankt er vor allem seinem hervorragenden Schauspielerensemble. Allen voran der indische Superstar Naseeruddin Shah, dessen intensives und einfühlsames Spiel hier von der besorgten Vaterfigur bis zur Rolle des toughen Geschäftsmannes reicht. Aber das absolute Highlight in Sachen Akteure sind die Nachwuchsdarsteller Vijay Raaz und Tilotama Shome. Die beiden ‚Neuentdeckungen‘ glänzen auf so unverbrauchte, zauberhafte Weise in ihrer separaten kleinen Liebesgeschichte, dass es eine wahre Wonne ist, ihnen zuzusehen.

Diese wunderbare Liebeserklärung an Delhi und seine Menschen wurde zurecht auf der Biennale 2001 als Bester Film mit dem „Goldenen Löwen“ ausgezeichnet und 2002 für den „Golden Globe“ als bester ausländischer Film nominiert. Den ‚Löwen‘ widmete Regisseurin Nair gleich ihrer Heimat: „Das ist ein Preis für Indien, für die Schauspieler und für meine Familie. Ich wollte mit meinem Film eigentlich nur mein Publikum glücklich machen.“