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Mit brennender Geduld

Mit brennender Geduld

Mario bringt einem Poeten jeden Tag die Post aus aller Welt. Pablo Neruda, für den die Menschen „die Lehre meines Lebens“ sind, unterhält sich gern mit dem jungen Mann. Und durchaus nicht unfreiwillig läßt sich der vielbeschäftigte Dichter in die Liebesgeschichte des Briefträgers hineinziehen.
Um das scheinbar Banale geht es Skarmeta in erster Linie bei seiner Hommage an Neruda. Die Etappen im Leben des Dichters – eng verbunden mit den dramatischen Ereignissen in der chilenischen Politik zwischen 1969 und 1973 – tauchen nur am Rande auf.

Der Film zeigt fiktive Ausschnitte aus dem Leben des Dichters Neruda. So die Zeit, mit den dramatischen Ereignissen in der chilenischen Politik zwischen 1969 und 1973, die aber nur am Rande erwähnt werden.
Wenn der berühmte chilenische Dichter und Politiker Pablo Neruda im Sommer sein Landhaus auf der Isla Negra bezieht, hat Mario, der Briefträger, aufregend viel Post auszutragen. Jeden Tag überreicht er ein großes Bündel Briefe aus aller Welt. Dafür will er aber auch etwas von Neruda haben. Er bittet ihn, ihm einige seiner herrlichen Liebesgedichte zu „leihen“, die er dringend benötigt, um sie in das zarte Ohr der schönen Beatriz zu flöten. Diese Methode zeigt Wirkung, leider nicht nur in der gewünschten Richtung. Denn Beatriz‘ strenge Mutter Rosa kennt die fremde Feder und macht Neruda eine schreckliche Szene. Als Dichter schätze sie ihn zwar, aber wenn er seine Gedichte zur Verfügung unschuldiger Töchter hergebe, verachte sie ihn auch als Dichter wie als Politiker. Als aber in Rosas Strandkneipe Allendes Wahlsieg gefeiert wird, kann sich – niemand fällt das auf – Beatriz wegstehlen. Dem begriffsstutzigen Mario muß sein Chef, der Telegraphist, einen deutlichen Wink geben. Und dann nimmt das Schicksal seinen Lauf, mit oder ohne Mutter Rosa und mit Nerudas Gedichten oder ohne sie. Vor seiner Abreise nach Paris als Botschafter seines Landes nimmt Neruda zusammen mit dem Telegraphisten als Trauzeuge und heimlicher Ehestifter an Marios und Beatriz‘ Hochzeit teil, und als Senora Rosa Großmutter wird und sich längst mit den Gegebenheiten ausgesöhnt hat, schickt Neruda einen langen Tonbandbrief aus Paris mit der Bitte, für ihn die geliebten heimatlichen Töne einzufangen: das Wehen des Windes, das Geläute der Glocken vor seinem Haus und das Geräusch des Meeres. Aber über Chile ziehen dunkle Wolken auf. Allende wird ermordet, Neruda kehrt zurück; der Sterbende wird in seinem Haus vom Militär bewacht. Auch Mario wird aus dem Glück seiner jungen Ehe herausgerissen und verhaftet. Antonio Skármeta lebte über zehn Jahre in Berlin im Exil. 1989 konnte er in seine Heimat zurückkehren. Er hat Bücher und Hörspiele geschrieben, hat zusammen mit dem Regisseur Peter Lilienthal als Autor an den Filmen „La Victoria“, „Es herrscht Ruhe im Land“ und „Der Aufstand“ mitgewirkt. Sein Film „Mit brennender Geduld“ ist seine erste eigene inszenatorische Arbeit. „Mit brennender Geduld“ wurde nach seiner Erstsendung im ZDF am 15. September 1983 (zum zehnten Todestag Nerudas) mit einer Vielzahl von internationalen und nationalen Preisen ausgezeichnet. Die französische Filmkritik vergab den „Prix Georges Sadoul 1983“, mit dem der beste ausländische Erstlingsfilm geehrt wird. Der „Grand Prix du Jury“ und den „Grand Prix du Publique“ erhielt der Film beim 5. Festival de Biarritz du Film Ibérique et Latino Américaine; beim Ibero-Amerikanischen Festival in Huelva/Spanien wurde der Film ebenfalls mit dem Hauptpreis und dem Publikumspreis ausgezeichnet. Beim 20. Adolf-Grimme-Preis 1984 erhielt Antonio Skármeta den Sonderpreis des Kulturministers von Nordrhein-Westfalen. (EZEF Fernsehtips, Nr. 98)