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Made in Israel

Made in Israel

Danny Hofmann, reicher Geschäftsmann und Sohn eines Holocaust-Überlebenden, setzt 2 Millionen Dollar Kopfgeld auf Schultz, den letzten noch lebenden Nazi aus. Hofmann beauftragt zwei unterqualifizierte Gangster, den russischen Auftragskiller Vitally und dessen Geliebte Dodo, mit der gut dotierten Aufgabe. Die unprofessionellen Kopfgeldjäger haben aber nicht nur mit schlechtem Wetter zu kämpfen, sondern auch mit einem 82-jährigen störrischen alten Mann, mit mafiösen Geldeintreibern und dem israelischen Militär, dem sie den Alten erst noch “entwenden” müssen. Schultz soll unbehelligt und lebendig zum höchsten Berg des Landes gebracht werden. Dort soll Hofmann persönlich die Freude zu Teil werden, ihm die letzte Kugel zu verpassen. Doch alles kommt anders …

Neuanfang zwischen Vergangenheit und Zukunft
„Made in Israel“: Ein Film so grotesk wie seine Kulisse

An einem kalten Wintermorgen in naher Zukunft: In den Golanhöhen, an der Grenze zwischen Syrien und Israel regnet es in Strömen. Der letzte noch lebende Naziverbrecher Egon Schultz (Jürgen Holtz), der sich zuvor in Damaskus zur Ruhe gesetzt hatte, passiert die Grenz-posten und wird von der israelischen Poli-zei in Gewahrsam genommen. Langsam setzt sich der Gefangenentransporter in Bewegung. Diese Auslieferung ist Teil eines Friedensabkommens, das Syrien und Israel kurz zuvor unterzeichnet haben. Der Golan wird in mehrere, u.a. UN-bewachte Zonen aufgeteilt und einem politischen Neubeginn scheint nichts mehr im Wege zu stehen. Doch auf dem Weg durch die unberechenbaren und unwirt-lichen Golanhöhen in Richtung Jerusalem, wo Schultz der Prozess gemacht werden soll, gerät der Plan außer Kontrolle. Wie sich zeigt, hat nicht nur die Regierung ein Interesse am „letzten Nazi“.

„Als ich den Film gemacht habe, dachte ich, es wäre genau die richtige Zeit für einen solchen Film. Wie sich herausstellte, war es die völlig falsche Zeit.“ Ari Folman bei den Grenzland-Filmtagen in Selb

Als Regisseur Ari Folman vor ungefähr zwei Jahren seinen Film „Made in Israel“ schrieb, war die Welt im Nahen Osten noch eine andere. Viele Anzeichen deute-ten nach einer Reihe von Rückschlägen wieder darauf hin, dass ein Frieden zwi-schen Palästinensern und Israelis möglich sein könnte.
Doch kurz darauf begann im September 2000 die Al-Aksa-Intifada, dessen kriegsartige Eskalationen bis heute kein Ende genommen haben. Ungefähr ein Jahr später kam „Made in Israel“ in die israeli-schen Kinos. Ein Film, in dem der Autor und Regisseur ein fiktives Friedens-abkommen zwischen Syrien und Israel konstruiert und eine Individuallösung an-bietet: Mit der Vergangenheit abschließen, ohne zu vergessen und einen Neuanfang wagen. Viel zu radikal für Regierungs-kreise.

Das israelische Selbstverständnis gründet sich auf das im Film immer wieder-kehrende „Second Holocaust no be“ („es darf nie einen zweiten Holocaust geben“), jener zionistische Grundsatz, der z.B. die Festung Masada zum Symbol des Staates Israel, der Freiheit und Unabhängigkeit des jüdischen Volkes werden ließ: „Mas-ada darf nie wieder fallen.“

Mittel, die der Befreiung des jüdischen Volkes und dessen Verteidigung dienen sollten, haben allerdings seit der Staats-gründung auch immer wieder Formen an-genommen, die über die Erfüllung dieser Zwecke hinausgingen. So wurden Gebiete außerhalb der Staatsgrenze annektiert, Rechte der in Israel lebenden Palästinen-ser jahrzehntelang missachtet.

Im Film wird dieser Widerspruch durch den übertrieben dargestellten psychopati-schen Millionär Izzio Hoffmann verkörpert. Er lässt seine 11-jährige Tochter im Videospiel Nazis „abknallen“, um sie auf den Ernstfall vorzubereiten. Den letzten Naziverbrecher will er nicht den Justiz-behörden in Israel überlassen, da diese ihn möglicherweise aufgrund mangelnder Beweise freilassen könnten. Ihn selbst „zur Strecke bringen“, die „gerechte Strafe“ für seine Verbrechen während des Holocaust zu vollziehen – das versteht Hoffmann unter der Emanzipation der Juden. Tatsächlich gibt es heute Israelis wie Hoffmann, die ihren Vorfahren vor-werfen, sie seien wie Kühe zum Schlächter gelaufen, ohne sich zu wehren. Ein Grund mehr für sie, jetzt Stärke zu zeigen und sich zu rächen. An dieser Stelle wirft Ari Folman die Frage auf, ob Vergeltung durch Gewalt aus den Opfern bessere Menschen macht als deren Täter.

Der Naziverbrecher Schultz, hervorragend gespielt vom bekannten deutschen Bühnenschauspieler und Sprecher Jürgen Holtz entpuppt sich im Film hingegen als ein friedlicher älterer Mann, dem man seine Vergangenheit nicht ansieht. So wirkt es beinahe lächerlich, wie ihm nun nach Jahren eine solche Aufmerksamkeit entgegengebracht wird und wie er als ge-fährlicher Schwerverbrecher behandelt wird.

Ari Folman, bisher hauptsächlich an TV-Dokumentationen und Kinderserien be-teiligt, hat seinen zweiten Spielfilm (nach seinem Debüt „Saint Clara“, 1996 mit Ori Sivan) bewusst nicht nach den Regeln des Handwerks gestrickt. Der nicht-kommer-zielle Film „Made in Israel“ hat durch seinen offenen Entwurfscharakter und die heikle Thematik in Israel Diskussionen ausgelöst, die bis heute andauern. Er vermittelt gleichwohl einen lebendigen Einblick in die unwirkliche, paradoxe Welt Israels, ohne einen Anspruch auf Perfek-tionismus zu erheben.
Tilman Becker