Das Leben eines Jugendlichen im Taiwan der 60er Jahre. Einfühlsam und distanziert zeigt der Film die unendliche Vielfalt kleiner Dinge, aus denen der Alltag zusammengesetzt ist.
Nachdem er die Schule abgeschlossen hat, verläßt Ah-Huen seinen Heimatort und zieht nach Taipeh, um dort Arbeit zu suchen. Mit ihm zusammen ist Ah-Yung, das Mädchen, mit dem zusammen Ah-Huen aufgewachsen ist. Er ist 15 Jahre alt, aber er ist mit Ah-Yung seit 14 Jahren zusammen. In Taipeh ist das Leben für beide sehr hart. Er muß Geld verdienen, um für sich und seine Familie zu sorgen und auch an seine Weiterbildung zu denken. Er möchte gerne die Universität besuchen. Sie sind sehr beschäftigt, aber glücklich. Villeicht gibt es zwischen ihnen so etwas wie Liebe. Aber sie bemerken es nicht. Dann wird Ah-Huen zum Militär eingezogen. Am Vorabend seiner Abreise macht ihm Ah-Yung ein sehr ungewöhnliches Geschenk: Sie übergibt ihm 1096 selbst addressierte und frankierte Briefumschläge. Sie möchte, daß Ah-Huen ihr jeden Tag während seiner dreijährigen Dienstzeit einen Brief schreibt.
Vielleicht ist Ah-Yung zu einsam in der Zeit der Trennung von Ah-Huen. Noch bevor Ah-Huen die 1096 Briefumschläge aufgebraucht hat, die sie ihm gegeben hatte, heiratet sie einen anderen. Ah-Huens Herz ist gebrochen aber er empfindet keinen Haß gegen sie. Er kann nicht verstehen, wieso Ah-Yung ihn verlassen konnte. Aber diese Frage wird er ihr nie stellen.
Der Film vermittelt ein Bild der heutigen Realität Taiwans und der Stilelemente des neuen taiwanesischen Kinos. Martin Schaub schreibt dazu in der Süddeutschen Zeitung: „Allen Widrigkeiten zum Trotz hat sich dieses neue Kino, das Taiwan nicht mehr bloß als antikommunistisches Bollwerk und nicht als vorübergehendes Exil begreift, sondern als eine komplexe und eigenständige Wirklichkeit, im Land selbst durchgesetzt… Der fruchtbarste Autor in Taipeh ist Hou Hsiao-Hsien, der Stück um Stück seine Autobiographie freilegt… Hou überrascht… mit spontanen, nahegehenden Aufschlüssen taiwanesischer Identität und Intimität, sei’s mit einem Blick in die Opferrolle von Müttern, mit einer Anmerkung zu jungen Landflüchtigen im Dschungel der Großstadt, sei’s mit diesen einfühlsamen Beobachtungen alter Leute mit ihrer Kontinent-Nostalgie.“
