Vier Straßenkids in Istanbul sind mit ihrer Musik auf dem Weg zum Erfolg – doch sie haben ein Problem: ihren Manager. Der möchte sie lieber als namenlose Straßenmusiker in Abhängigkeit halten. „Kalte Nächte“ ist das packende Spielfilmdebut des jungen Filmemachers Kadir Sözen, ein Film von eindringlicher Authentizität und Direktheit, ungeschminkt, hart und poetisch. Gedreht weitgehend ohne professionelle Schauspieler an Original-Schauplätzen: in Armenvierteln, Kneipen, Touristenorten…
Ihr Leben ist die Straße, und ihre Musik erzählt davon. Jacky an der Laute; Tomix, der virtuose Geiger; Tam-Tam, der die Darbuka mit schwindelerregender Schnelligkeit spielen kann. Die Geschäfte kontrolliert Mahmud, der Gossenimpressario, die Gage für die Musiker besteht in ärmlicher Unterkunft und Verpflegung. Gemeinsam ist der Traum: die große Karriere. Als es Mahmud gelingt, den blinden Sänger Aziz von dessen Familie loszukaufen, werden die Hoffnungen konkreter. Aziz Stimme löst Begeisterungsstürme aus.
Im Sommer zieht die Gruppe durch die Touristenorte an der Westküste. Das Publikum ist begeistert, das Geld fließt reichlicher als zuvor. Mit dem Erfolg wächst der Widerwillen der jungen Musiker gegen ihren Manager. Der Traum von der musikalischen Karriere wird zum Traum von der Unabhängigkeit.
Besonders Aziz beginnt gegen Mahmud zu rebellieren. Als ein Plattenproduzent auf die jungen Musiker aufmerksam wird, eskaliert der Konflikt. Mahmud, allein mit Aziz an einer vielbefahrenen Straße, nutzt seine Chance. Ein kleiner Stoß, Aziz taumelt in den Tod. Doch Mahmuds Kalkül geht nicht auf. Die Unzufriedenheit seiner Schützlinge wird zum Haß. Sie werden ihren Manager verlassen – um jeden Preis.
Eine Veranstaltung von: Bildungswerk der Erzdiözese Köln, Medienzentrale des Erzbistums Köln, Gruppe Alle(r)weltskino,
Katholisches Bildungswerk Köln, Volkshochschule Köln. Mit Unterstützung des Kulturamtes der Stadt Köln
sowie des Sekretariates für gemeinsame Kulturarbeit, Wuppertal
Produktionsnotizen
Die Idee zu Kalte Nächte entstand Ende der 80er Jahre. Bei der Recherche zu einer Fernseharbeit in der Türkei lernte Kadir Sözen Jugendliche kennen, die auf der Straße leben und Musik machen. Aus dieser Begegnung entwickelte sich die Geschichte.
Kalte Nächte wurde weitgehend ohne professionelle Schauspieler gedreht. Nur Menderes Samancilar als Mahmud ist ein in der Türkei bekannter Filmschauspieler. Die Jugendlichen werden dargestellt von Straßenkids, die ihren Lebensunterhalt tatsächlich durch Musizieren verdienen. Keiner von ihnen verfügt über Schulbildung oder hatte vor den Dreharbeiten ein Kino von innen gesehen.
Zwei Monate suchten Sözen und sein Team auf den Straßen und in den Bars von Istanbul bis zur Westküste, bis sie geeignete Darsteller gefunden hatten. Dann konnte die Instrumentierung der Filmsongs nach den Fertigkeiten der Schauspieler ausgearbeitet werden.
Gedreht wurde an Original-Schauplätzen, in Armenvierteln, Kneipen, Touristenorten. Das Budget hätte unter normalen Bedingungen nicht einmal die Vorbereitungskosten eines herkömmlichen Spielfilms gedeckt. Möglich wurde die Realisierung durch die Bereitschaft aller Beteiligten, unter schwierigsten Bedingungen zu arbeiten. Das Drehverhältnis belegt die Einmaligkeit dieser Produktion: es betrug 1:2.
Der Film entwickelt eine beeindruckende Dichte. Beeindruckt hat den Ausschuß, wie es dem Regisseur mit wenigen Mitteln gelang, ein aktuelles Thema unprätentiös und sehr eindringlich zu erzählen. Der Wechsel von Tragik und Freude gibt dem Film Züge der neorealistischen Schule. (Aus dem FBW-Gutachten zu Kalte Nächte – Prädikat Besonders Wertvoll)
Kadir Sözen
Geboren 1964 in Gaziantep (Türkei), seit 1969 in Deutschland. Studium der Wirtschaftswissenschaften, währenddessen freier Journalist vor allem für den WDR. Sözens Arbeiten wurden vielfach gefördert und ausgezeichnet, unter anderem mit dem IGM-Reportagenpreis für das Feature „Zwischen Bottrop und Bosporus – Heimweh auf türkisch“. Kalte Nächte ist Kadir Sözens erster langer Spielfilm.
