Unkommentierte Bildfolgen über das abgestorbene Leben in einem Dorf an der rumänisch-serbischen Grenze machen jede Vorstellung von einem einfachen, zufriedenen Landleben zunichte. Es geht um Menschen, die sich in dumpfer Teilnahmslosigkeit der Tristesse ihrer Umgebung angepaßt zu haben scheinen. – „Wer verstehen will, warum so viele Menschen aus den ehemaligen Ostblock-Staaten ihre Heimat verlassen, um im ‚Goldenen Westen‘ ihr Glück zu suchen, der sollte sich unbedingt diesen ungewöhnlichen Dokumentarfilm anschauen.“ (Kölner Stadtanzeiger)
Joanes Gesetz – Eine Winterreise
Eine karge Dorfkneipe, gegen die jede deutsche Kantine einen Hauch von Las Vegas verströmt, altersschwache Ölbohrtürme, die seltsam sinnlos vor sich hinächzen, Menschen, die sich in dumpfer Teilnahmslosigkeit der Tristesse ihrer Umgebung angeglichen zu haben scheinen. Momente eines Films über das abgestorbene Leben in einem Dorf an der rumänisch-serbischen Grenze. Da ist etwa jener taubstumme Mann, der liebevoll kleine Schweine mit der Milchflasche säugt. Oder der Besuch beim Schlachthofdirektor, der sich die Langeweile mit Zeichentrickfilmen vertreibt, während seine Angestellten Rinder abschlachten. Und ob in der Kneipe oder in den Wohnungen – der Fernseher läuft unentwegt.
Unkommentierte, allenfalls sparsam erläuterte Bildfolgen, die jede Vorstellungt vom einfachen, aber erdverbundenen und zufriedenen Landleben zunichte machen. Trotzdem huldigt der Film keinem plumpen Realismus. Faix und Kerpenisan haben ihr Material effektvoll montiert und scheuen auch nicht davor zurück, just da auf eine Schlachthofszene umzuschneiden, wo im TV bei „Tom & Jerry“ die Maus ordentlich eins übergebraten bekommt.
Über dieses real existierende Leben in der rumänischen Provinz, das normalerweise hinter politischen Nachrichten und Schnellschuß-Reportagen unsichtbar bleibt, kann man in dem Film viel erfahren. Und jene verquere Logik, wonach die Qualität informativer Fernsehbeiträge mit dem Grad ihrer formalen Unbedarftheit steigt, stammt ohnehin aus einer Zeit ohne Fernbedienungen.
Reinhard Lüke, taz
JOANES GESETZ ist ein kleines Meisterwerk.
Brigitte Söhngen, RP
Wer verstehen will, warum so viele Menschen aus den ehemaligen Ostblock-Staaten ihre Heimat verlassen, um im „goldenen Westen“ ihr Glück zu suchen, der sollte sich unbedingt diesen ungewöhnlichen Dokumentarfilm anschauen.
E.v. Stein, KstA
JOANES GESETZ ist ein außergewöhnlicher Film, da er sich ganz wesentlich auf die Sprache und Kraft der Bilder und deren komplexes Zusammenwirken verläßt und bei aller Härte und Melancholie der Bildinhalte zu einer Poesie der filmischen Ausdrucksmittel findet, die im deutschen Dokumentarfilm selten ist.
Prof. Klaus Armbruster
Dominique Andreas Faix
Geboren 29.01.1965 in Reinbeck, Deutschland
Studium an der Universität Essen/Folkwangschule
Kommunikationsdesign – Film/Fotographie
1995 Abschluß zum Dipl. Designer
1990: Lappländische Reise
44 Min., 16 mm, Farbe
für den süddeutschen Rundfunk
1993: Joanes Gesetz
50 Min., 16 mm, Farbe
für den WDR, NDR
1996: Der Zeitreisende
45 Min., 16 mm Farbe
für den NDR, WDR, SFB
gefördert vom hess. Filmbüro
und der europ. Kommission
