Ein australischer Kameramann gerät in ein undurchsichtiges Intrigenspiel. Alle Spuren führen zu einem Dokumentarfilm seines toten Vaters, der die Strahlenschäden von Ureinwohnern und ahnungslosen Soldaten nach britischen Atombombentests in den 50er Jahren beweisen soll. Ein Thriller, der sich auf authentische Fakten bezieht.
Eine australische Untersuchungskommission machte 1985 einen Atomskandal publik, der noch kurz zuvor abgeleugnet oder totgeschwiegen wurde.
Großbritannien hatte von 1952 bis 1963 Atombombenversuche auf australischem Territorium durchgeführt, die den Engländern zwar den Anschluß an den exklusiven Kreis der Atommächte brachte, den Australiern jedoch jede Menge radioaktiven Fallout. Geradezu sträflich vernachlässigten die verantwortlichen Militärs Sicherheit und Gesundheit von ahnungslosen Ureinwohnern sowie arglosen Untergebenen. Die Folgen waren verheerend: die Versuchung ganzer Landstriche, vornehmlich von Lebensräumen der Ureinwohner – die Maralingua-Wüste und das Emu-Feld im südöstlichen Australien – eine bisher unbekannte Anzahl von Stahlentoten unter den einheimischen Koori, „Aborigenes“ im offiziellen Sprachgebrauch der Weißen, und Langzeitschäden in Form von Krebs, Strahlenkrankheiten und Gen-Mutationen. Im Vorfeld zu Veröffentlichung des Berichts der Untersuchungskommission fíel auch zweifelhaftes Licht auf den australischen Geheimdienst. Geheidienstangehöige hatten Druck auf ehemalige Maralingua-Veteranen ausgeübt, um sie an einer Aussage vor dem Ausschuß zu hindern; nach mysteriösen Einbrüchen verschwand wichtiges Beweismaterial spurlos.
Michael Pattinsons „Ground Zero“ dramatisiert diese Fakten zum spannenden Thriller. Die Entscheidung für diese Darstellungsform hat zu Folge, daß der Film Grenzlinien zwischen authentischer „Realität“ und filmischer Fiktion zusehends verwischt. Nicht von ungefähr steht eine Figur im Mittelpunkt, deren Beruf es ist, „Realität“ in Fiktion zu verwandeln. Harvey Denton, ein Kameramann, der sein Geld vornehmlich in Melbournes Werbe-Industrie verdient, wird durch eine Reihe rätselhafter Vorgänge mit seiner eignenen Geschichte, vor allem aber mit den Vorgängen beim 1953 in der Maralingua-Wüste durchgeführten Atombombentest konfrontiert. Nach einem Einbruch in seiner Wohnung erfährt Denton durch einen Geheimdienst-Offizier vom Fund einer Leiche bei der Bergung eines alten, radioaktiv verseuchten Flugzeugs. Der Tote wurde als Dentons Vater identifiziert, der als Kameramann die Atombombentests im Auftrag der Armee dokumentierte und nach bisherigen Angaben bei einem Badeunfall verunglügt war. Denton, zur Genüge mit der Trennung von seiner Frau Pat und seinem kleinen Sohn beschäftigt, wird unversehens in ein undurchsichtige Spiel im Spannungsfeld zwischen dem australischen Geheimdienst, der Untersuchungskommission und einem rätselhaften Anrufer mit blecherner Stimme verwickelt.
Alle Spuren verseisen auf ein verschollenes, von Denton Vater aufgenommenes Filmokument, das ein brisantes Beweisstück für den bisher abgeleugneten Strahlentod australischer Ureinwohner wäre. In der Maralingua-Wüste macht Denton schließlich den anonymen Anrufer aus, einen ehemaligen Armee-Angehörigen und Freund seines Vaters, der an den Atombombentests beteiligt war und nun verbittert Drohpredigten wegen des begangenen Unrechts schleudert: Prosper Gaffney, ebenfalls ein Opfer der Atomversuche, ein menschliches Wrack, der seine Höhle zum apokalyptischen Bildzyklus ausgemalt hat. Mit Gaffneys Hilfe entdeckt Denton das verschollene Filmdokument, doch auf diesen Augenblick haben die Drahtzieher im Hintergrund nur gewartet, um loszuschlagen.
