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Geschichten von Eidechsen

Historias De Lagartos

„Drei befremdliche Episoden, die von Flucht, Rückkehr und Abschied, Gewalt und Einsamkeit, Erinnerung und Sehnsucht, von inneren und äußeren Landschaften sprechen. Hermetische Gschichten in irritierenden Perspektiven, die sich traditioneller Rezeption verweigern, – ein Versuch, die Menschen und Vulkane zu beschwören, ein Aufschrei nur, einsam, aus der Tiefe meines Herzens“. (Juan Carlos Bustamante)

Einige Überlegungen von Juan Carlso Bustamante

Geschichten von Eidechsen versucht den Zuschauer zu den emotionalen Tiefen zu führen, wo sich fast alle Menschen wiedererkennen.
In eine ganz eigene Kinosprache wollte ich die Stilrichtungen einbeziehen, mit denen schon andere, Juan Rulfo, Arguedas und Onetti, Werte unserer verschütteten Identität endeckt haben.*
Von Rulfo habe ich versucht, in bescheidenem Maß, die Sensibilität für einfache Mittel zu übernehmen, um die Wirkungskraft zu verstärken.
Von Arguedas das (abgrund) tiefe Gefühl für diese verschüteten, trostlosen Orte. Die Skepsis, die meinen ganzen Film durchzieht, spiegelt meine Frustration über viele enttäuschte Utopien und Wünsche wider: sie ist die Schlacke dieser Orte.
Es ist eine schmerzliche Erkenntnis, daß wir schon längst nicht mehr Herren unseres Schicksals sind, sondern daß ein großer Teil Lateinamerikas ein absurdes Schlachtfeld ist, auf dem sich verschiedene Interessen und feindliche Ziele gegenüberstehen; und daß die Hoffnung, die wir als Kinder besaßen, heute nichts weiter als der Teil des Mythos ist.
Das Schicksal von solch unsteten, verrückten und mörderischen Wesen zu zeigen, kann eine Methode sein, um die Reste eines ursprünglichen, geliebten Ausganpunktes wiederzuentdecken. In Geschichten von Eidechsen versuche ich ein Bild der Verletztheit und des Schmerzes lebendig werden zu lassen, das unseren Völkern gemeinsam ist.
Ich bestehe darauf, daß es die Pflicht eines Lateinamerikaners ist, von einem immer komplexeren (und fundierteren) Standpunkt aus, unsere Herkunft und Entwicklung verständlich zu machen. Ich möchte betonen, daß es nicht ausreicht, allein gegen die Stereotypen, das Schubladendenken oder das Verwischen der Schattierungen zu kämpfen, sondern darüberhinaus gegen die Überstrapazierung des Bildes.
Es kann der Eindruck entstehen, als ob viele unsere Werke von einer zu einfachen Lesart sind, was beim Betrachter zu bloßer Distanzierung führt.
Wie also diesen Kreislauf durchbrechen?
Ich glaube, daß unser Kino menschliche Erfahrungen miteinander verknüpfen, die Möglichkeit gegenseitigen Erkennens aus der Einsamkeit heraus schaffen kann.
So könnte der lateinamerikanische Filmemacher, neben seinen anderen vielfältigen Funktionen, auch ein Schamane sein, der die Kräfte des Menschen und der Erde beschwört zum Nutzen seiner Völker, für ihre Befreiung und für ihre Zukunft.
Diese Funktion ist nicht neu. Tausendmal stärker als durch Millionen von Zeitungsartikeln und Reportagen erführ ich den Schmerz und die Ungeheruerlichkeit von Hiroshima durch Resnais.
einerseits ist der Film eine Art Ausweg aus dem Vergangenen, ein Versuch zu neuen Ufern und Träumen aufzubrechen, und andererseits das Herbeiträumen des Verlorenen, diesmal für immer.
Ich spreche hier von Widersprüchen, nicht von einem rückwärts gerichteten Blick: von den tiefen Widersprüchen der Gesellschaft.
Geschichten von Eidechsen ist nur ein Versuch, die Menschen und Vukane zu beschrören, ein Aufschrei nur, einsam, aus der Tiefe meines Herzens. (Satiago de Chile, Dezember 1988)

*Juan Rulfo (Mexico), José Maria Arguedas (Peru), Juan Carlos Onetti (Uruguay) gehören zu den namhaftesten Romanciers Lateinamerikas.