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FRIENDS IN HIGH PLACES – Überlebenskunst im heutigen Burma

FRIENDS IN HIGH PLACES - Überlebenskunst im heutigen Burma

Jahrzehntelange Korruption und Isolation unter der Diktatur des Generals Ne Win haben aus dem einst reichen Burma (seit 1989 „Myanmar“) eines der ärmsten Länder der Erde gemacht. Aber hinter dem düsteren Repertoire repressiver Maßnahmen und der Misswirtschaft des Regimes existiert die unbekannte phantastische Welt des Nat-Kults. Nats sind übernatürliche Wesen, irgendwo zwischen Göttern und Geistern angesiedelt, viele von ihnen einst Opfer einer ungerechten Herrschaft. Der Film wurde ohne Genehmigung in Burmas Hauptstadt Yangon gedreht und führt in die Welt des Nat-Kults und das Leben einiger Mediums. Gezeigt wird die ungewöhnliche Rolle, die die Nat-Mediums in der burmesischen Gesellschaft spielen.

Burma – ein Land, das bekannt ist für seine Pagoden, seine buddhistische Kultur, seine Jahrzehnte währende Gewaltherrschaft und für seine Armut. Doch wer kennt den Nat-Kult? Obwohl rund drei Viertel der Burmesen diesem halbreligiösen Phänomen anhängen, ist er jenseits der Grenzen des südost-asiatischen Landes kaum bekannt. Nats – das sind Geistwesen, die bei Sorgen und Nöten um Hilfe gebeten werden und denen man im Erfolgsfall seine Dank-barkeit erweist. Genau 37 gibt es von ihnen, und alle sind hervorgegangen aus den Seelen einst ermordeter Aristokraten, so will es der Glaube. In der Gesellschaft verankert sind sie durch ihre Medien, meist Frauen und Homo-sexuelle, die ihnen in theatralischen Riten huldigen. Ihrer Klientel aus allen Schichten der Bevölkerung dienen sie als Wahrsager, Psychiater und Sozialarbeiter gleichermaßen. Und: Die oft ein wenig exzentrischen Mittler wissen ihre Dienste auch lukrativ – und manchmal augenzwinkernd – für sich zu nutzen.

Der Filmemacherin Lindsey Merrison gelingt es in ihrer beeindruckend fotografierten Produktion, den animistischen Nat-Kult ebenso fröhlich wie scharfsinnig zu vermitteln. „Freunde mit Einfluß“ über die Nats, ihre Medien und ihre Anhänger blickt über rein ethnologische Zusammenhänge hinaus und zeichnet ein erhellendes Porträt des heutigen Alltags in Burma. Die unter sehr schwierigen Bedingungen gedrehte Dokumentation beobachtet ebenso liebevoll wie ironisch das Treiben der Medien, zeigt farbenprächtige Kostüme und furiose Tänze, und beleuchtet den Kontext politischer wie soziologischer Repression, in dem der Nat-Kult als Ventil wirken kann.

Die 1959 im englischen Hertfordshire geborene Britin Lindsey Merrison ist anglo-burmesischer Herkunft. Sie studierte Anglistik und Filmwissenschaften an der Universität Kent in Canterbury. Seit 1982 lebt Merrison in Berlin, wo sie als Regisseurin und Filmproduzentin arbeitet. Nach ihrem Debut „Our Burmese Days“ ist „Freunde mit Einfluss“ (Originaltitel „Friends in High Places“) ihr zweiter Film als Regisseurin. Die preisgekrönte Produktion lief erfolgreich auf zahlreichen internationalen Festivals, unter anderem im Panorama-Programm der Berlinale 2002.