Phnom Penh 1992: Ein aus dem Krieg zurückgekehrter Soldat und eine Prostituierte begegnen sich in der halb zerstörten Hauptstadt des durch die UNO befriedeten Kambodscha. Sie erleben eine Romanze, die der Frau die Kraft gibt, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. In einer langen Rückblende erzählt der Film seine Geschichte in einem getragenen Rhythmus und verdichtet dank eindringlicher Darstellerleistungen seine Liebesgeschichte zu einem glaubhaften und eindringlichen Zeichen der Hoffnung.
2005 jährt sich zum 30. Mal die Machtergreifung des Diktators Pol Pot in Kambodscha. Mit seinen ‚Rote Khmer’ genannten kommunistischen Guerillas eroberte er 1975 die Hauptstadt Phnom Penh. Danach versuchte er rücksichtslos, dem Land seine Vorstellung von Kommunismus aufzuzwingen und es in eine archaische Gesellschaft zurückzuentwickeln. Alle echten oder vermeintlichen Widerstände wurden gnadenlos gebrochen: Mehr als drei Millionen Tote forderte sein Völkermord.
An diesem traumatischen Erbe, an Verarmung und Entwicklungsrückstand, zahllosen Landminen und Versehrten leidet das Land auch heute noch. Kambodscha zählt mit durchschnittlich 280 US-$ Bruttosozialprodukt pro Einwohner zu den ärmsten der Welt (Deutschland: 22.670 US-$). Der „Human Development Index“ der Vereinten Nationen nennt Kambodscha an 130. Stelle von 175 Ländern.
Mit der Aufführung dieses Films erinnert das Allerweltskino an das vielfach vergessene Land.
Kambodscha ist während Jahren in den Schlagzeilen unserer Medien aufgetaucht: Krieg zunächst, Vernichtungslager später und das Terrorregime einer Guerillaorganisation. In letzter Zeit ist es ruhiger geworden im Nachbarland zu Vietnam. Seit 1993 entwickelt sich zaghaft eine Demokratie. Die Rote Khmer unter Pol Pot hat aufgegeben, der Führer ist tot. Vor dem Hintergrund des endlich erlangten Friedens siedelt der kambodschanische Regisseur Rithy Panh («Les gens de la rizière») seinen zweiten Spielfilm an. «Un soir après la guerre», der Titel sagt es bereits, blickt auf die Zeit nach dem Krieg, auf jene fragile Phase, in der die Menschen mit einem gewöhnlichen Alltag umgehen lernen und gleichzeitig das Gewesene verarbeiten müssen. Savannah ist 28 Jahre jung, als er nach Phnom Penh zurückkehrt. Vier Jahre lang hat er gegen die Roten Khmer gekämpft, im ganzen Leben nie etwas anderes als Krieg in seinem Land gesehen. In der Hauptstadt lernt er Srey Poeuv kennen, eine junge Frau, die von ihrer Familie an einen Zuhälter verkauft worden war, als es ums nackte Überleben ging. Savannah möchte mit Srey zusammen leben, doch die Umstände machen dies nicht einfach. Sie ist 19jährig und stellt fest, dass ihr nichts gehört, «nicht einmal die Liebe.»
Hat sich Rithy Panh in seinem Erstling der Familie und dem Leben auf dem Land gewidmet, so betrachtet er hier die Stadt und die Beziehungen zwischen den Menschen, die da leben. Der Film ist von der jungen Frau aus dem Heute heraus in großen Rückblenden ins Jahr 1992 erzählt. Sie musste ihre Liebe verlieren, um zu sich zu finden. Lachen und Weinen sind in dieser Geschichte keinen Atemzug voneinander getrennt. «Warum weinst Du?» fragt der Mann seine Liebste. «Ich bin glücklich», antwortet sie ihm. Savannah und Srey möchten im Prinzip nur eines: Die Menschenwürde wieder erlangen. Und Rithy Panh führt uns vor Augen, wie schwierig dies nach all den Jahren von Krieg und Terror geworden ist, in einem wunderschönen Land, in dem die Menschen sich mehr an den Tod als an das Leben gewöhnt haben (Walter Ruggle).
Geschichte 1979 – 1992
Bedingt durch die absolute Kontrolle aller Nachrichtenverbindungen durch die Roten Khmer wussten die meisten Kambodschaner weder etwas über den Krieg mit Vietnam noch über die Invasion der vietnamesischen Armee in Kambodscha. In manchen Dörfer verschwanden die Roten Khmer einfach über Nacht und ließen die Dorfbewohner unwissend zurück, andere Dörfer verwandelten sich ohne Vorwarnung in Schlachtfelder zwischen der vietnamesischen Armee und flüchtenden Roten Khmer, wobei die Roten Khmer zahlreiche Kambodschaner als „lebende Schutzschilde“ und „Arbeitssklaven“ in die schwer zugänglichen Bergregionen an der Grenze zu Thailand verschleppten.
Das Missmanagement der Roten Khmer im Reisanbau, gezielte Zerstörung der verbleibenden Reisvorräte durch die Roten Khmer, Reis-Beschlagnahmungen durch die vietnamesische Armee, aber auch die einfache Flucht der Feldarbeiter aus den ehemaligen Kollektiven zu ihren Heimatdörfern führte zu einer landesweiten Hungersnot, die im Oktober und November 1979 zum Tode von etwa 200.000 Kambodschanern führte.
Die Bilder der über die Grenze nach Thailand flüchtenden Kambodschaner, die kaum mehr als lebende Skelette waren, lösten eine weltweite Welle der Hilfsbereitschaft aus. Auf massiven Druck der USA öffnete Thailand schließlich seine Grenzen für die Flüchtlinge und gestattete den Aufbau von Flüchtlingslagern, die von der UNO, dem Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen versorgt wurden. Zwischen 1979 und 1992 flüchten etwa 300.000 kambodschanische Flüchtlinge in Camps an der thailändischen Grenze. Weitere 350.000 leben außerhalb von Flüchtlingscamps in Thailand und etwa 100.000 flüchten nach Vietnam. Die Camps in Thailand werden extern durch das thailändische Militär bewacht und intern zu einem Großteil durch die Roten Khmer kontrolliert. Etwa 250.000 Kambodschaner aus diesen Camps fanden im Laufe der Jahre Aufnahme in Europa und den USA (206.052, davon alleine 84.559 in Kalifornien), die anderen wurden 1992 nach der Besetzung Kambodschas durch die UNO wieder zurückgesiedelt.
Ende 1989 legte Australien einen Plan zu einer Besetzung Kambodschas durch die UNO und einer Entwaffnung aller politischen Parteien mit anschließenden Wahlen vor. Dieser Plan wurde von dem russischen Diplomaten Igor Rogachew und dem französischen Diplomaten Claude Martin in intensiver gemeinsamer Arbeit als Grundstein für die spätere UNTAC-Mission gelegt.
(Quelle: www.de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Kamdodschas ).


