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Die Liebe des Rebellen

Hong Kil Dong
Über die Bauweise von Paradiesen - Filme aus Nordkorea

Martial Art aus der Demokratischen Volksrepublik Korea: Hong Kil Dong wird als Kind einer Konkubine von seinem Vater nicht akzeptiert. Er zieht in die Welt und wird ein Bandit. Allerdings einer von der Sorte, die – wie Robin Hood – von den Reichen stiehlt und den Armen gibt. Schnell wird er dadurch zum Volkshelden. Was der Regierung überhaupt nicht gefällt… – Die Geschichte wurde bereits im 16./17. Jahrhundert in Korea geschrieben. Hong Kil Dong erzählt sie als typische Martial-Arts-Geschichte, selbstverständlich mit einer Fülle von Schwert- und Kampfkunstszenen.
Bis heute ist dieser nordkoreanische Filmklassiker beliebt bei Nord- und Südkoreanern. Spielfilme über ‚gerechte Räuber‘ wie z. B. ‚Robin Hood‘ werden eben in aller Welt gern gesehen. Hier heißt er Hong Kil Dong und ist der uneheliche Sohn einer Magd und eines Fürsten. Nachdem er sich in die Berge Koreas zurückgezogen hatte, um dort alte Kampftechniken zu erlernen und in taoistischen Künsten unterwiesen zu werden, tritt er als Kämpfer gegen Ungerechtigkeit, Korruption und Unterdrückung auf und wird zum Volkshelden.
Die Verfilmung einer koreanischen Heldenlegende aus dem siebzehnten Jahrhundert, die von Huh Kyun – einem Gelehrten in der Yi-Dynastie – aufgeschrieben wurde, wartet mit ausgezeichneten artistischen Kampfszenen auf, erinnert an ‚Eastern‘-Filme und unterscheidet sich von diesen nicht zuletzt durch eindrucksvolle Aufnahmen der koreanischen Landschaft.

Über die Bauweise von Paradiesen
Filmwoche Nordkorea 19. bis 23. Oktober 2011

‚Etwas fängt sehr schön an und es endet grausig. Das ist sozusagen das Wahrscheinliche in der Welt oder die Erfahrung. Das andere wäre, dass etwas hart anfängt, durch Arbeit geändert wird und anschließend glücklich endet, das wäre die Bauweise von Paradiesen.’

Alexander Kluge, Die Macht der Gefühle, Frankfurt 1984

Über die Demokratische Volksrepublik Korea ist in unserem Land sehr wenig bekannt. Nordkorea schottet sich wie kein anderes Land ab. Besucher werden nahtlos betreut und begleitet und bekommen nur zu sehen, was die lokalen Behörden und die staatliche Tourismusagentur zeigen wollen. So ranken sich um dieses abgeschottete Land viele Gerüchte, Vermutungen, Mutmaßungen.

Trotz der kargen Lebens- und Wirtschaftsbedingungen wird in der Demokratischen Volksrepublik Korea eine Fülle von Filmen hergestellt. Diese richten sich in erster Linie an die dortige einheimische Bevölkerung. Aber sie lassen uns auch in ihren Inhalten erkennen, wie sich Nordkorea darstellen möchte und wie man sich im Land eine ideale Gesellschaft vorstellt. Diese Filme sind bis auf ganz wenige Ausnahmen hierzulande völlig unbekannt, obwohl sich anhand dieser Werke nachspüren lässt, wie man sich in Nordkorea eine wünschenswerte Gesellschaft denkt. Gleichzeitig öffnet sich dem Betrachter der Filme eine aus hiesiger Sicht mehr merkwürdige Schere zwischen dem durch die Filme propagierten Wunschbild und der Realität im Land.

Viele der Filme vergewissern sich der Geschichte des Landes. Ein gängiges Sujet ist es, den Wiederaufbau nach dem Koreakrieg zu zeigen, die Bewältigung von Unterdrückung und Entbehrung für die Errichtung einer modernen, an der koreanischen Juch’e-Ideologie orientierten Gesellschaft. Juch’e steht dabei für den Wunsch der Nordkoreaner, den Aufbau aus eigener Kraft zu bewältigen. Folgt man dem Eingangszitat von Alexander Kluge, so beschäftigen sich diese Filme mit der Bauweise von Paradiesen.

Das Allerweltskino zeigt in der Zeit vom 19. bis zum 23. Oktober 2011 im Filmhaus Kino zwölf Spielfilme aus Nordkorea, die einen tiefen Einblick bieten in das Selbstverständnis des Landes, aber auch in die Wünsche der Bewohner und die Vorstellung, wie Nordkorea im eigenen Land und international wahrgenommen werden möchte.

Joachim Steinigeweg, Allerweltskino Köln