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Detroit Wild City

DETROIT – VILLE SAUVAGE
Zukunft der Stadt

‘Welcome to the city of Detroit, ‘the Murder Capital of the USA’, where the grass is growing over the parking lots and the houses are abandoned.’ (Mads Mikkelsen CPH:DOX 2010)

Detroit – die amerikanische Hauptstadt der Autoindustrie, die Wiege des Fortschritts.
Als solche galt Detroit zumindest noch in den 1950er Jahren, als die Stadt fast zwei Millionen Einwohner zählte. Inzwischen ist die Einwohnerzahl um mehr als die Hälfte gesunken und Detroit ist eine der bekanntesten schrumpfenden Städte der Welt geworden. Soziale Probleme und der Verfall der Stadt stehen hier auf der Tagesordnung.

Aber die Stadt ist mehr als das: Sie ist wild, anziehend und kreativ. Da wo die öffentliche Versorgung scheitert, entstehen soziale Aktivitäten, wo es keine Arbeit gibt, neue Überlebensstrategien, und dort, wo Gras auf den Dächern und in den Parkhäusern wächst, Einwohnergärten.

Florent Tillon hält die Kamera dorthin, wo zwischen den Brachflächen und modernen Ruinen des zwanzigsten Jahrhunderts, außer Gemüse auch neue soziale Stadtideen wachsen.

‘Städte wie Träume sind aus Wünschen und Ängsten gebaut (…)’
Italo Calvino ‘Unsichtbare Städte’

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten – Tendenz steigend. Das rasche Bevölkerungswachstum und die Urbanisierung treffen vor allem die armen Länder der Welt. Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf die urbanen Lebensbedingungen: Armut und Hunger nehmen zu, Angst und Gewalt werden zur Alltagsrealität, lebensnotwendige Ressourcen werden schwerer zugänglich. Die soziale und wirtschaftliche Polarisierung spiegelt die räumlichen Strukturen wider: In der Nähe von gentrifizierten Stadtzentren entstehen Elendsviertel, überwachte Wohnanlagen grenzen an Slums.

Trotzdem sind die Städte stets attraktive Zufluchtsorte und bieten Vielen die Chance auf sozialen Aufstieg. Die Konzentration von Märkten und Dienstleistungen, besonders ausgeprägt in Metropolen und Megacities, steigert die Chance auf Arbeit und regelmäßiges Einkommen. Das kreative Kapital einer Stadt ermöglicht wiederum, neue Lebenskonzepte zu entwerfen und auszuprobieren.

Die Stadt ist bunt und düster, anziehend und bedrohlich zugleich. Die Filme, die das Allerweltskino in seiner Sonderreihe ‘Zukunft der Stadt’ präsentiert, zeigen die schönen und problematischen Momente des urbanen Lebens. Sie behandeln diverse Aspekte der Urbanisierung in verschiedenen Ländern. Dazu gehören u.a. Themen wie die Privatisierung des öffentlichen Raumes, dargestellt am Beispiel von überwachten Wohnanlagen in Indien, Südafrika oder Mexiko (‘Auf der sicheren Seite’, ‘La zona’), wie auch (fehlende) Stadterneuerungsstrategien in Russland (‘pereSTROIKA – umBAU einer Wohnung’) und auf Kuba (‘Havanna – Die neue Kunst, Ruinen zu bauen’). Es ist kein Versuch, anhand der gezeigten Filme direkte Vergleiche zu ziehen. Es geht viel mehr um die Vielfalt des städtischen Lebens, um die Probleme, mit denen die Bewohner von Städten gewöhnlich zu kämpfen haben (‘Megacities’), um neue Lebensentwürfe und Überlebensstrategien (‘Garden Stories. Looking for the country in the city’) – um die Zukunft der Stadt.