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Der Tod und das Mädchen

DEATH AND THE MAIDEN

Das gleichnamige Theaterstück des chilenischen Autors Ariel Dorfman wurde über Nacht berühmt und gilt heute als Parade-beispiel engagierten Theaters, das tiefen Einblick in Psychosen und Leid vermittelt, die eine Militärdikatur hinterlassen kann. Roman Polanski machte sich mit Ben Kingsley und Sigourney Weaver an die Verfilmung: Ist der Fremde, der eines Abends ihren Mann nach Hause begleitet, Paulinas ehemaliger Folterer, oder ist er es nicht? Soll sie sich rächen, Verzeihung üben, Sühne fordern? Was ist die Wahrheit? Kann sie sein Geständnis erpressen?

Eine ehemalige Widerständlerin gegen eine lateinamerikanische Militärdiktatur, die 1977 zwei Monate inhaftiert und gefoltert wurde, glaubt in einem Arzt jenen Peiniger wiederzuerkennen, der sie jeweils zu Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ vergewaltigte. Sie überwältigt ihn und veranstaltet gegen den Willen ihres Mannes, einem als Justizminister designierten Anwalt, ein Privattribunal
gegen ihren mutmaßlichen Peiniger. Ein nach einem Kammerspiel spannend inszenierter Psychothriller mit großartiger Besetzung und glänzenden Dialogen.
Der Film vermittelt ein konkretes, eindringliches Bild von den unendlichen Qualen der (meist auch sexuell) mißhandelten (weiblichen) Opfer sowie der unauffälligen „Beschaffenheit“ des Tätertyps und verdichtet sich zudem zur Auseinandersetzung mit Rache und (möglicher) Vergebung.

Quelle: Lexikon des internationalen Films 2000/2001 (CD-ROM