Cobra Verde (Klaus Kinski) kommt aus der Armut des brasilianischen Sertao und versucht sich als Goldwäscher und Plantagenaufseher, wird unbequem und deshalb nach Afrika auf ein Himmelfahrtskommando abgeschoben, um im Land des wahnsinnigen Königs von Dahomey den Sklavenhandel wieder in Gang zu bringen. Obwohl zunächst erfolgreich, scheitert er, betrogen von seinen Arbeitgebern.
Der Regisseur ist auch mit diesem Film auf der Suche nach neuen Bildern, nach dem besonderen Blick für das bisher Ungesehene, Außergewöhnliche, für Randexistenzen, Verkrüppelte…
Vagabund, Sklavenaufseher, Mädchenschänder – der Brasilianer Francisco Manoel da Silva, genannt Cobra Verde, nimmt sich, was das Leben bietet. Um ihn loszuwerden, schieben ihn Gutsbesitzer nach Afrika ab: Er soll beim König von Dahomey Sklaven kaufen. Ein Todesurteil – aber nicht für Cobra Verde: Er wird reich, stürzt den König und paktiert mit dem Prinzen. (HÖRZU 26/90)
In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts blüht immer noch der Sklavenhandel. Aus den westafrikanischen Ländern, etwa dem Königreich Dahomey, werden schwarze Gefangene auf Sklavenschiffen nach Brasilien gebracht, wo sie auf riesigen Zuckerrohrplantagen als billige Arbeitskräfte ein erbärmliches Leben fristen. Reich werden nicht nur die Plantagenbesitzer, sondern auch die Sklavenhändler. Vom Aufstieg und Fall eines solchen Sklavenhändlers – basierend auf der Lebensgeschichte einer authentischen Figur – erzählt der Film von Werner Herzog.
Francisco Manoel da Silva, genannt „Cobra Verde“, aus dem armen Nordosten Brasiliens kommend, schlägt sich zunächst als Vagabund, Räuber und Sklavenaufseher durchs Leben.
Eines Tages wird ihm die Chance geboten, als Statthalter der brasilianischen Plantagenbesitzer nach Dahomey zu gehen und dort für den ins Stocken geratenen Sklavennachschub zu sorgen. Eigentlich ein Todeskommando, denn die Besatzung des portugiesischen Forts ist niedergemetzelt worden von den Soldaten des unberechenbaren schwarzen Königs, eines kriegerischen und blutrünstigen Herrschers. Fancisco, der nichts zu verlieren hat als sein Leben, willigt furchtlos ein. Er nimmt das zerstörte und verlassene Fort an der Küste des schwarzafrikanischen Landes in Besitz, und es gelingt ihm, den Sklavenhandel neu zu beleben. Dabei wird er ein reicher Mann. Vom Hof im Landesinneren hält er sich bewusst fern, bis er eines Tages auf Geheiß des Königs mit Gewalt verschleppt und als Gefangener festgehalten wird. Vom Bruder des Königs, der den Ruf eines Wahnsinnigen hat, den Wahnsinn aber nur spielt, wird er befreit. Der schwarze Prinz und der weiße Sklavenhändler schwören einander Blutsbrüderschaft und stürzen mit einem Amazonenheer gemeinsam den alten König.
Vom neuen König wird Francisco zum Vizekönig ernannt, verbunden mit dem Privileg, weiterhin als einziger Weißer Sklavenhandel treiben zu dürfen. Dennoch – trotz des hohen Amtes – bleibt Francisco ein Fremder in einem Land, dessen Kultur und Traditionen er nicht begreift und nicht versteht. Nachdem sich eine weltweite Ächtung des Sklavenhandels durchgesetzt hat, ist Francisco zu einer Belastung für den König geworden. Doch einen Blutsbruder tötet man nicht. So entledigt sich denn der König seines weißen Bruders auf raffinierte Weise. Er treibt ihn in den Wahnsinn…
Mit der Filmballade „Cobra Verde“ entwirft der Filmemacher Werner Herzog kein sozialkritisches Drama im Namen der historischen Moral. Es geht vielmehr um den Antagonismus von Kulturen und Mentalitäten. Die mythische Fremdheit Schwarzafrikas mit seinen eigenen, historisch gewachsenen Moral- und Sittengesetzen erweist sich gegenüber dem rationalen Denken und Handeln der fremden Weißen als eine unüberwindbare Kraft.
(EZEF Fernsehtips, Nr.91)
