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Charulata – Die einsame Frau

Charulata

Das Portrait der jungen Frau Charulata, die im Kalkutta der Jahrhundertwende zu luxuriösem Müßiggang gezwungen ist und die Geschichte ihrer schwierigen Bewußtwerdung, ihrer Selbst-befreiung und der Rettung ihrer mißverstandenen Ehe.

Die Geschichte eines wohlhabenden Inders und seiner vernachlässigten, unselbstständigen, einsamen Frau. Die politischen Aspekte der sympathischen Story treten hinter den psychologischen zurück. Geprägt von dem Bekenntnis zur Wahrheit, Redlichkeit und gegenseitigem Vertrauen, vermittelt der Film von S. Ray eine bemerkenswerte Sicht menschlicher Beziehungen. (fd 16 292)
Der historische Hintergrund, das Indien im ausgehenden Jahrhundert, wird nur als Folie einer im Grunde doch privaten Geschichte unterlegt. Charulata ist die einsame, unselbständige Frau des reichen Bhupati, der seine ganze Energie auf die Herausgabe einer Zeitung mit dem Titel „Sentinel“ verwendet. Die wenigen anderen Personen, die in dem Film von Bedeutung sind, gruppieren sich fast symmetrisch dazu: Charulatas Bruder arbeitet mit Bhupati, Bhupatis Bruder soll sich um Charulata kümmern. Mit seinem „Sentinel“ kämpft Bhupati für die Emanzipation der Inder und vernachlässigt darüber seine Frau, die genau weiß, dass die Zeitung ihre größte Rivalin ist. Ihr Schwager Amal studiert Literatur und könnte Charulatas Neigung zur Belletristik kultivieren. Die vereinsamte Charulata empfindet bald eine ernsthafte Zuneigung zu dem unbeschwerten Amal: sie veröffentlicht ihr erstes Gedicht. Währenddessen betrügt ihr Bruder ihren Mann um einen größeren Geldbetrag, womit die Zeitung ruiniert ist. Schlimmer als der materielle Verlust ist für Bhupati der Vertrauensbruch, die menschliche Enttäuschung. Amal erkennt, daß er ihm bald die zweite große Enttäuschung bereitet hätte, und verläßt das Ehepaar. Später entdeckt Bhupati doch die Neigung zu seiner Frau, überwindet jedoch die schmerzliche Erkenntnis: Das Ehepaar reicht sich die Hände. Im Bildstop zeigt eine der letzten Einstellungen symbolträchtig, wie diese gerade noch getrennt sind.