Das Ritual der „russischen Jagd“, die immer in einer wilden Sauferei endet, inszeniert der Regisseur als Sinnbild für das reale Chaos in der Zeit nach der Perestroika und des allgegenwärtigen Verfalls. Das erstaunliche ist, daß diese böse Realität absurde, ja heitere und unterhaltsame Züge trägt. Völlig verblüffend jedoch ist der überaus optimistische Duktus des Filmes…
„Besonderheiten der nationalen Jagd“ gilt als der beste russische Film der Saison. Zu seinen vielen Vorzügen zählen ein gutes Drehbuch, die Aktualität des Stoffes, Humor und ausgezeichnete Schauspieler. Wirklich erstaunlich aber ist sein heller Duktus und sein Optimismus, obwohl sich auf der Leinwand das reale Chaos in der Zeit nach der Perestroika und der allgegenwärtige Verfall abspielt. Der Film (…) ist heiter und unterhaltsam, er ironisiert die Absurdität des russischen Lebens und selbst der Weltschmerz ist in diesem Film Licht.
Aleksandr Rogoshkin ist einer der wenigen Regisseure, die auch unter den neuen wirtschaftlichen Bedingungen kontinuierlich arbeiten können. Seine letzten Filme hatten auf vielen internationalen Festivals Erfolg: Die Wache war eine Sensation, genauso wie der grausame, voyeuristische Tschekist. Dieser „Poet der Gewalt und Klaustrophobie“ hat sich nicht ohne Absicht für eine Komödie entschieden. Das Ritual der sogenannten „russischen Jagd“, die immer in einer wilden Sauferei endet, lässt Rogoshkin von den Schauspielern – unter ihnen auch Laien – so darstellen, wie sie es in ihrem eigenen Leben erfahren haben. Das ist typisch für die Atmosphäre des Studios von „Lenfilm“ und auch für die Atmosphäre jeder auseinanderfallenden Struktur, die an sich schon ein reichhaltiges Material für Filme bietet. Rogoshkins Sittenbild entsteht nicht nur aus einer Selbstbeobachtung heraus. Er hat die Figur eines finnischen Autors eingeführt, die einem Fremden die Botschaft zu verstehen hilft. Das implizite Sujet ist die Gegenein-anderstellung von Stereotypen und Realität. Es zeigt sich, dass die Realität absurder und reichen an Nuancen ist. Und dieser Reichtum, diese emotionale Fülle der Realität provozieren einen vielleicht ebenso absurden Hang zum Optimismus.
Andrej Plachov, in: Katalog des Europäischen Salons für Liebhaber des jungen Films, Potsdam 1996, S. 20
