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Bedrohung, Die

Hotet

Nach der Reaktorkatastrophe von Tchernobyl (26.04.86) trieb eine Giftwolke über Tausende von Kilometern nach Schweden. Ihr Niederschlag führte zur völligen Verseuchung und Abschlachtung der Rentiere. Den mit ihnen lebenden Sami (Lappen) wurde über Nacht ihre materielle und kulturelle Lebensgrundlage geraubt.
Ein Film gegen das Vergessen und ein Dokument vom Niedergang einer kleinen Kultur.

Am 26. April kam der Frühling nach Schweden. Am selben Tag gab es tausende Kilometer entfernt im ukrainischen Tschernobyl eine Reaktorkatastrophe von bisher nicht gekanntem Ausmaß. Eine radioaktive Wolke trieb nach Schweden, deren Niederschlag das Land zum höchstbelasteten Europas machte. Stefan Jarl hielt sich zu dieser Zeit in Nordschweden auf, um einen Spielfilm über die Samen, so nennen sich die Lappen in ihrer Sprache, zu machen. Unter dem Eindruck der Katastrophe änderte Jarl seinen Plan, drehte einen Dokumentarfilm über die Samen bzw. über das, was die Katastrophe mit ihnen machte. Er besuchte im Laufe des Jahres das Ehepaar Lars-John und Lillemor, die von der Rentierzucht leben, war bei den Höhepunkten des Samen-Jahres, dem Kennzeichnen der Kälber und dem gemeinsamen Schlachten zugegen, und ließ die beiden über ihr karges Leben, ihre Verbindung zur Natur und ihre Zukunft berchten.
Was Jarl in ruhigen, einfühlsamen Bildern erzählt, ist der Anfang vom Niedergang einer ethischen Minderheit. Er rückt dies sachlich, aber egagiert in den Mittelpunkt seines Films, lamentiert nicht und klagt nicht an; er zeigt die Folgen. Die Katastrophe hat die Samen ebenso unvorbereitet getroffen wie alle anderen Menschen, doch sie sind von ihrer ungleich schwerer betroffen. Ihr Leben ist über Nacht aus den Angeln gehoben worden, Die Gesetze der Väter, sich demütig und gütig gegenüber den Geschöpfen der Natur zu verhalten, existieren zwar noch, doch sind sie zur Erinnerung an eine bessere, vergangene Zeit geworden (…)

Stefan Jarls Film ist ein Film gegen das Vergessen, gegen Zwecklügen und den Alltagstrott. Unsere Welt hat sich in der Tat verändert. Die Samen müssen als erste alle Auswirkungen erleiden, doch alle anderen sind vor ähnlichen Katastrophen nicht gefeit. (…)