Ein Boxer und ein Musiker kommen in eine lateinamerikanische Provinzstadt, wo ein Volksfest Harmonie zwischen regierenden Militärs und Bevölkerung vorspiegeln soll. Sie widersetzen sich dem politischen Intrigenspiel und geraten in Bedrängnis, aus der sie ihr menschlicher Zusammenhalt rettet.
In die Provinzstadt einer südamerikanischen Diktatur sind ein Boxer und ein Musiker, zwei populäre Persönlichkeiten von den herrschenden Militärs als Attraktionen für ein Volksfest eingeladen. Dort geraten sie, ohne es zu wollen in Konflikt mit den Militärs und ihren Chargen und werden Opfer des politischen Terrors. Unter dem Druck der Repression der Machthabenden entwickeln sich Freundschaft und Solidarität zwischen den beiden sehr verschiedenen Männern; sie bewahren sich ihre Würde, auch als Unterlegene, Geschmähte und Misshandelte. Der Film schildert ganz subtil den Alltag in einer Militärdiktatur und vermittelt uns die kaum vorstellbare Erfahrung einer ständig offenen Repression.
Nur der Stationsvorsteher, ein Bahnwärter und zwei Soldaten erwarten den Zug aus der Hauptstadt. Ein kühler Sommertag, Abenddämmerung. Aus dem vorderen Waggon steigt der Boxer Rocha, aus dem hinteren der Bandoneonspieler Galvan. Sie haben sich noch nie gesehen; beide sollen sich beim Kommandanten Suarez melden, der ein Volksfest veranstaltet, das Bevölkerung und Militär der Stadt Flores durch sportliche und kulturelle Höhepunkte einander näher bringen soll. Seit Jahren herrscht Ruhe in Flores. Niemand widersetzt sich den Entscheidungen des Stadtkommandanten.
So beginnt die Geschichte einer Freundschaft: Der Boxer und der Musiker lernen sich auf dem Bahnhof kennen. Rocha ist ein kraftstrotzender, selbstbewusster und fröhlicher Sportler, den polizeiliche Hintergründe nicht stören. Anstatt zu trainieren, verführt er die Tochter des zwielichtigen Anwalts Gallo und geht zur Messe. Galvan, der früher berühmte Sänger, ist dagegen ein zurückhaltender Einzelgänger, aber nicht ohne Mut:
Er versucht, die Geheimpolizei nach dem Schicksal eines entführten Kollegen zu befragen. Daß er damit zu weit gegangen ist, merkt er, als zwei Polizisten von Rocha und ihm Autogramme haben wollen, was Galvan verweigert. Die Polizisten zerschlagen mit der MP die Hand des Boxers. Trotzdem tritt Rocha gegen den Champion des Militärs an, mit Galvan als „Trainer“. Doch der Ringrichter ist manipuliert; Rocha wird zusammengeschlagen. Um den bewusstlosen Riesen zu retten, zahlt Galvan doch noch den „Preis“ eines Autogramms und rollt den Verletzten, während die ganze Stadt feiert, allein auf einer Bahre zum Bahnhof.
Peter Lilienthal drehte diesen Film im Herbst 1983. Den Boxer Rocha spielt Angel de Villar, ein internationaler Profi aus New York City, der Politische Wissenschaften studiert. Für den Musiker Galvan konnte Lilienthal Juan José Mosalini gewinnen. Mosalini ist Bandoneon-Virtuose und einer der berühmtesten argentinischen Tango-Avantgardisten. Wie Mosalini lebt auch der argentinische Autor des Romans „Winterquartiere“, Osvaldo Soriano, in Paris; „Cuarteles de invierno“ waren die literarische Vorlage für „Das Autogramm“. (EZEF Fernsehtipps, Nr.93)
