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Aus der Ferne

Aus der Ferne

Der deutsch-türkische Regisseur Thomas Arslan besucht das Land seines Vaters, die Türkei. Im Frühsommer 2005 entstand dieser dokumentarische Reisefilm. Im Fokus seines Blicks stehen jedoch nicht die Sehenswürdigkeiten des Landes, Arslan beschäftigt sich eher mit den Alltagsszenen, die er vorgefunden hat. Er tummelt sich in Nebenstraßen und auf Schulhöfen, blickt seinen Landsleuten über die Schulter. Entstanden ist ein konzentrierter, ruhiger und nahezu wortloser Film: authentisches Dokumentarkino.

THOMAS ARSLAN ÜBER SEINEN FILM

(Auszüge aus einem Interview mit Michael Baute, geführt am 3.1.2006 in Berlin):

… In der Zeit als ich den Film gedreht habe, war der Diskurs über die Türkei stark aufgeheizt. Er ist es ja immer noch. Es war fast eine Hauptarbeit bei diesem Film, nicht auf kürzestem Wege bei diesen im Zusammenhang mit der Türkei grassierenden Sprachmustern und ihren entsprechenden Bebilderungen zu landen. Okzident, Orient, Abendland, Morgenland – ich kann damit nichts Reales verbinden. Der Ausgangspunkt für diesen Film ist einfach, dass man überhaupt mal ein Bild kriegt, das nicht sofort einer Theorie zuzuschlagen oder die bloße Illustration von etwas Vorgewußtem ist. Ich wollte meinen Blick öffnen für einfache, konkrete Dinge, das tägliche Leben in diesem Land.
… Ich hatte zuvor zwei Recherchereisen in die Türkei gemacht. Dabei habe ich die Route festgelegt. Diese Route sind wir dann beim Drehen von Westen nach Osten abgefahren. In den zentralen Städten der Reise waren wir jeweils etwa eine Woche, wobei ich jeweils die ersten ein, zwei Tage nichts gedreht habe. Ich wollte erst einmal ankommen und mich umsehen. Danach wurde ein grober Plan für die nächsten Tage gemacht. Auf diese Weise haben wir uns in Richtung Osten vorgearbeitet.
… Neben mir bestand das Team aus einem Tonmann, einem Regieassistenten und einem Fahrer. Ich bin froh darüber, dass es möglich war auf Film zu drehen. Ich hätte mir Sorgen gemacht, mich in dem Berg von Material zu verlieren, den ich mit Video hätte aufnehmen können. Es war mir eine Hilfe mit relativ wenig Material auskommen zu müssen. Dadurch war es immer eine wichtige Entscheidung, ob ich die Kamera anmache oder nicht. … Bei dem was ich gedreht habe, wollte ich so wenig wie möglich in das Geschehen vor der Kamera eingreifen.
… Istanbul war die erste Station der Reise. Mir war klar, dass dieser Film einerseits erst nach und nach beim Drehen entsteht, und dass ich gleichzeitig mit den ersten Einstellungen des Films bereits seine Richtung vorgebe. Der Istanbul-Teil ist ein Herantasten. Ich wollte nicht einfach etwas abrufen. Es ging ums Ankommen, ums Hinsehen. Istanbul ist eine gigantisch große Stadt, von der man vieles hätte zeigen können. Das, was ich ausgewählt habe, verhält sich auch zu den geläufigen Bildern, die es über Istanbul gibt. Z.B. die abgedroschenen Brücken-Metaphern. Es ging mir darum, das tausendmal Gezeigte auszulassen und doch etwas von der Stadt sichtbar zu machen.
… Bei einem Reisefilm ist man letztlich immer zu kurz an den Orten, selbst wenn man versucht sich Zeit zu nehmen. In den wenigen Tagen kommt man nicht sehr vielen Leuten nah. Natürlich versucht man das herzustellen, aber es gibt trotzdem selten Situationen, in denen es sich ergibt. Der Blick des Films ist ein Blick von Außen. Der Blick eines Durchreisenden. Das nicht aus den Augen zu verlieren, war auch für die Form des Films wichtig.