Sechs alte israelische Frauen, die zwischen 1910 und 1920, als Pionierinnen den Männern ebenbürtig, den israelischen Staat aufbauen halfen, erzählen aus heutiger Sicht von ihren Idealen und Träumen.
Dokumentarfilm über das Scheitern der linkszionistischen Frauenbewegung an den Realitäten des Staates Israels. Die Hauptpersonen sind sechs Frauen, die Anfang des Jahrhunderts in Russland und Polen geboren, als Pionierrinnen nach Palästina kamen. Sechzig Jahre später ziehen sie Bilanz. Ausgezogen mit Elan und Idealismus, um eine neue befreite Gesellschaft zu gründen, in der Frauen gesellschaftlich und sozial gleichgestellt sind, leisten sie im Kibbutz Männerarbeit, helfen den zionistischen Staat gründen, arbeiten als Parlamentarierinnen, schreiben Bücher über kollektive Kindererziehung. Mit einer Fülle von historischen Bild- und Filmmaterial wird diese Vergangenheit dokumentiert, persönliche Aufbruchstimmung und Zeitgeschichte miteinander verwoben. Die heute alten Damen berichten, wenn auch mit resignativen Unterton, mit ungebrochenen Engagement für die Sache und mit scharfem Blick für den historischen Trend und die aktuelle Entwicklung: Über das Zurückdrängen der Frauen in die klassische Geschlechterrolle und den mit dem utopischen Gesellschaftsentwurf unvereinbaren Umgang mit den Arabern.
Die „israelische Frau“ – Pionierfrau der Jahrhundertwende, Sozialistin, den Männern ebenbürtig, mit denen sie das Land der Kibbuzim bestellte und Straßen baute, die Soldatenfrau; schließlich die „befreite Frau“, die ihr privates und berufliches Leben nach eigenem Gutdünken gestaltet und am öffentlichen Leben teilnimmt – ist zu einem Mythos geworden, der sich bis heute erhalten hat. Wenn dieser Mythos auch einen realen historischen Hintergrund besitzt, so hat sich doch in der gegenwärtigen Situation das Bild der israelischen Frau gewandelt. Heute gilt auch in Israel wieder als Ideal die Ehefrau und Mutter als Garant der Sicherheit und der Kontinuität der Familie und der staatlichen Ordnung. Selbst in den Kibbuzim ist man inzwischen zu der alten Arbeitsteilung zurückgekehrt: Landwirtschaft und Industrie als Domäne der Männer, Küche, Wäscherei und Kindererziehung die der Frauen. Und in der Armee arbeitet die Mehrheit der weiblichen Angehörigen als Sekretärin, Sachbearbeiterin, Sanitäterin. Es handelt sich um eine fast exemplarische Entwicklung: In (vorstaatlichen) Pionierzeiten nehmen die Frauenteil an einem Kampf für eine neue Gesellschaft, von der sie Recht auf Arbeit, Autonomie, Gleichheit vor dem Gesetz, Befreiung von den alten moralischen und religiösen Zwängen erwarten. In einem zweiten Zeitabschnitt etabliert sich der Staat, die revolutionären Ideen werden auf ein „Normalmaß“ zurückgestutzt. Edna Politi hat 1982 einige dieser Pionierfrauen der „ersten Stunde“ porträtiert. Zwischen 1910 und 1920 waren sie nach Palästina ausgewandert. Sie heißen Emma, Yetka, Yehudit, Mita, Pnina und Rahel. Sie stammen aus Polen oder dem zaristischen Russland. Der Film erzählt von ihren Idealen, ihren Träumen, ihren zionistischen und/oder sozialistischen Utopien. Er ist eine Studie weiblicher Emanzipation und dokumentiert gleichzeitig durch Filmmaterial und Interviewausschnitte die Geschichte des Staates Israel.
Edna Politi aus einem Interview: „Nach den Dreharbeiten überrannte die israelische Armee den Libanon. Die Geschichte dieser Frauen hat mich fasziniert und mich gleichzeitig vor Probleme gestellt. Während der Dreharbeiten war noch nicht Krieg im Libanon, aber es geschahen Dinge in Transjordanien. Wir haben versucht mit den Frauen darüber zu sprechen, aber ich habe feststellen müssen, dass sie darüber nur bis zu einem gewissen Punkt sprechen konnten. Das waren die Grenzen unserer Personen und die mussten wir achten. Aus diesem Grund habe ich auch die kommunistische Frau in den Film genommen um zu zeigen, daß es auch Menschen gab die ganz anders dachten, und dann auch Rahel. Mit all dem Material sind wir zurückgekommen. Der Krieg brach einige Wochen später aus und für mich – aus politischen aber auch persönlichen Gründen weil ich im Libanon aufgewachsen bin, war das für mich ein ständiger Alptraum. Es gab Augenblicke, da konnte ich an dem Film nicht weiterarbeiten. Sie zu sehen, wenn sie von ihren Träumen sprachen und gleichzeitig zu wissen, was im Libanon vor sich ging … Wie in meinen anderen Filmen, war ich wieder in der Situation zwischen den Stühlen, wie bei ,Für die Palästinenser‘ und ,Wie das Meer und seine Wogen‘. Es interessiert mich nicht zu sagen – ,dies ist gut dies ist böse.‘ Das hat natürlich mit meiner Biographie zu tun … was mich interessiert, ist der Versuch zu zeigen, dass man etwas lieben kann, ohne in allem mit ihm über einzustimmen.“
(EZEF Fernsehtipps, Nr.77)
